Donnerstag, 30. Dezember 2010

Zielsetzung für 2011

Zum Jahresende gibt es doch die schöne Sitte sich etwas vorzunehmen, was man im kommenden Jahr in Angriff nehmen möchte. Wer noch auf der Suche nach einem für sich geeigneten Vorsatz ist, könnte vielleicht bei Volker Pispers fündig werden. 







In diesem Sinne wünsche ich allen ein erfolgreiches Jahr 2011.

Paulinchen

Freitag, 24. Dezember 2010

Alle Jahre wieder

Ein Frohes Fest und viel Freude und Spaß im Neuen Jahr wünscht Paulinchen















Die Weihnachtsgans

Tiefgefroren in der Truhe
liegt die Gans aus Dänemark.

Vorläufig lässt man in Ruhe
sie in ihrem weißen Sarg.

Ohne Kopf, Hals und Gekröse
liegt sie neben dem Spinat.

Ob sie wohl ein wenig böse
ist, dass man sie schlachten tat?

Oder ist es nur zu kalt ihr
man siehts an der Gänsehaut.

Na, sie wird bestimmt nicht alt hier
morgen wird sie aufgetaut.

Hm, welch Duft zieht aus dem Herde,
durch die ganze Wohnung dann.

Mach, das gut der Braten werde -
Morgen kommt der Weihnachtsmann.

Heinz Erhard, 1909-1979

Dienstag, 21. Dezember 2010

Warum feiert ihr überhaupt Weihnachten

Ein Vortag von Wilfried Schmickler, der zwar schon 2 Jahre alt, aber immer noch hörenswert ist und wohl auch in Zukunft hörenswert bleiben wird.

Freitag, 17. Dezember 2010

Worte die Kraft geben

William Ernes Henley:

Invictus (Unbezwungen)

Aus dieser Nacht, die mich umhüllt,
von Pol zu Pol schwarz wie das Grab,
dank ich welch immer Gottes Bild
die unbezwung'ne Seele gab.

Wenn grausam war des Lebens Fahrt,
habt ihr nie zucken, schrein mich seh'n!
Des Schicksals Knüppel schlug mich hart - 
mein blut'ger Kopf blieb aufrecht stehn!

Ob zornerfüllt, ob tränenvoll,
ob Jenseitsschrecken schon begann:
das Grauen meines Alters soll
mich furchlos finden, jetzt und dann.

Was kümmert's, dass der Himmel fern
und dass von Straf' mein Buch erzähl',
ICH bin der Herr von meinem Stern,
ICH bin der Meister meiner Seel'!
Quelle




Auf dieses Gedicht wurde ich aufmerksam durch den Film "Invictus" von Clint Eastwood.

Dienstag, 14. Dezember 2010

Ist Weihnachten tatsächlich ein christliches Fest?

Wo liegt der Ursprung dieses Festes? 



Es ist jetzt nicht so, dass mich diese Informationen schocken würden, vielmehr ärgert mich die tiefgreifende Manipulation die damit verbunden ist. 
Ich habe - weiß Gott - nichts gegen Glaubensgemeinschaften, es mag jeder das glauben, was er vor sich selbst verantworten kann. Doch jede Glaubensgemeinschaft die allen Ernstes erklärt sie hätten den einzig wahren Glauben und ihr Gott wäre der einzig wahre, ist mir zuwider. 

Im tiefschwarzen Bayern wurde ich geboren, und mit der katholischen Manipulation kämpfe ich heute noch, obwohl ich mich seit Jahrzehnten intensiv mit der Römisch-katholischen Kirche auseinandersetze. Diese Manipulationen kleben wie Pattex, nie bekommt man alle Fäden ab. 

Hören wir nun, was Schokoladen-Weihnachtsmänner uns zu sagen haben.



Paulinchen

Sonntag, 12. Dezember 2010

Informationsdiktat in Medienredaktionen - Deutschland

Derjenige, der Harald Schumann, Regine Naeckel und Hans Leyendecker zuhört und sich diese Worte zu Eigen macht, hat die Möglichkeit den vielfältigen Manipulationen nicht so leicht auf den Leim zu gehen und kann den Meinungslenkern "in die Suppe spucken".




Paulinchen

Dienstag, 7. Dezember 2010

An den Winter

Willkommen lieber Winter,
Willkommen hier zu Land!
Wie reich du bist, mit Perlen
Sielst du, als wär' es Sand!

Den Hof, des Gartens Wege
Hast du damit bestreut;
Sie an der Bäume Zweige
Zu Tausenden gereiht.

Dein Odem, lieber Winter,
Ist kälter, doch gesund;
Den Sturm nur halt' im Zaume,
Sonst macht er es zu bunt!
Elisabeth Kulmann (1808-1825)



























































































Bilder von Peter Lamers

Freitag, 3. Dezember 2010

Neues aus "Afrika": Kinder zur Situation der Frau

Schulaufsatz aus: "In Afrika ist immer August"

Was weißt du über die Situation der Frau?

Die Frauen, die Ärmsten, sind nie geschätzt worden.
Zur Zeit der Ägypter waren die Frauen entweder Priesterinnen oder Modelle für die Pyramiden. Der Maler einer Pyramide ließ sie hereinkommen, setzte sie von der Seite hin, mit den Füßen von der Seite und den hochgehobenen Händen von der Seite. Wenn er dann fertig war, ging er weg und ließ sie vielleicht immer noch von der Seite weiter dasitzen.
Nachdem sie Römerinnen geworden waren, kämmten die Frauen die Mütter oder sie kochten Essen. Wenn ein reicher Fürst ins Haus kam und sich auf dem Lager ausstreckte, mussten sie tanzen und Spagat machen. In mittelalterlichen Zeiten trugen sie einen hohen Hut wie eine spitze Tüte auf dem Kopf und einen Keuschheitsgürtel mit Schlüssel. Wenn man diesen Schlüssel aufmachte, waren die mittelalterlichen Frauen genau wie die von heute.
Um achtzehnhundert spielten die Frauen nur Geige, um neunzehnhundert warteten sie auf den Mann, der aus dem Krieg zurückkam. Wenn zwei oder drei Monate vergingen und er noch nicht da war, warteten sie nicht mehr und nahmen sich einen anderen.
Auch die modernen Frauen zählen obwohl sie modern sind nichts. Zum Beispiel: warum gibt es in dieser Klasse zwanzig Buben und nur zwei Mädchen? Dann soll man doch gleich der Schule sagen und nicht die Schule!

Schon erstaunlich, was Kinder so alles sehen. Oder ist es vielleicht doch eher so, dass die "Erwachsenen" den Blick fürs Wesentliche vorloren haben? Ist die Art von Bildung die wir den Kindern aufzwingen, wirklich das was sie brauchen? Oder wäre es nicht sinnvoller ihnen Zeit zu geben, damit sie die Welt selbst erkunden können? 

Wenn ich Bildung höre, sehe ich immer den Zigeuner Roman, umringt von Kinder, seine Geschichten erzählen. Doch diese Bildung ist ja auch nicht gemeint, wenn nach mehr Bildung gerufen wird. Der Fokus bei Bildung heute liegt auf AUS-Bildung für die Verwertungsgesellschaft heutiger Tage. Aber dann sollten wir es auch Ausbildung und nicht Bildung nennen.

Paulinchen

Donnerstag, 2. Dezember 2010

Montag, 29. November 2010

Die systematische Vermarktung der Armut

"Entwicklungshilfe ist, wenn viele arme Leute eines reichen Landes wenigen reichen Leuten eines armen Landes Geld spenden."
Denis Healey

Das Auslandsjournal vom 24. November brachte unter anderem den Bericht: Der Millionenschwindel von Kibera und wer genau zuhört erfährt, warum das Elend auf der Welt nicht weniger, sondern immer mehr wird. Ein Student aus Kibera sowie der Sprecher bringen es auf den Punkt.
Student: "Sie leben alle von diesem Slum und alle haben deshalb ein Interesse daran, dass die Leute so bleiben wie sie sind, und dass die Verhältnisse so bleiben wie sie sind. Würden sich die Lebensbedingungen verändern, würden die Leute hier plötzlich in tollen Klamotten rumlaufen, wäre das schlecht. Für die würde doch keiner mehr spenden. An Kibera hängen viele Jobs. Das ist eine richtige Industrie."
Sprecher: "Jetzt ist Kibera den Titel des Rekortslums los. Darüber sind alle traurig. Sogar - man glaubt es kaum - die Armen aus Kibera selbst."
Student: "Für viele ist es eine Frage von Stolz und eine Frage der eigenen Identität im größten Slum Afrikas zu leben. Ein Teil dieser großen Gesellschaft zu sein, gibt den Leuten das Gefühl, nicht so verletzlich zu sein. Wenn du arm bist und nur ein paar wenige Leute zählst, fühlst du dich schwach, aber wenn du arm bist und eine Million Leute zählst, dann bist du stark und fühlst dich stolz dazuzugehören."
Sprecher: "So aber leben sie nur in einem Slum von vielen, genauso arm wie vorher, denn das Geschäft mit ihrer Armut haben andere gemacht."

Wer jetzt aufatmet und denkt: 'Gott sei Dank lebe ich hier und nicht dort, hier kann mir das nicht passieren, der sollte sich mal mit offenen Augen im schönen Europa umsehen. Die Fratze der Armut zeigt sich auch hier schon ziemlich deutlich und zwingt immer mehr Menschen aufzuwachen aus dem Traum alles haben zu können. Gut es mag sein, dass es nicht so drastisch bei uns wird wie z.B in Afrika, Bangladesh oder Indien*. Doch diese Menschen haben uns eines voraus, sie kennen keinen Konsumterror und haben nicht mit den Schatten des westlichen Wohlstands zu kämpfen. Sie wissen, wie man überlebt und mit sehr wenig aus kommt.

Sind Afrika, Indien und viele andere Länder unseres Planeten wirklich auf Spenden angewiesen und wenn ja WARUM? 
Meiner Meinung nach sind die Verhältnisse in Staaten in denen die Mehrheit der Bevölkerung in bitterster Armut lebt obwohl sie reich an Rohstoffen sind, dem Kolonialismus und Imperialismus geschuldet. Solange wir - der angeblich zivilisierte Westen - nicht aufhören anderen Ländern ihre Rohstoffe zu stehlen und die Bevölkerung zu unterdrücken und terrorisieren wird sich an den bestehenden Verhältnissen auch nichts ändern. Erst wenn jeder bereit ist die richtigen Fragen zu stellen wird er auch die Antworten finden die zur nachhaltigen Beseitigung von Not und Elend führt.

"Armer Mann und reicher Mann
standen da und sahn sich an.
Und der Arme sagte bleich:
wär ich nicht arm, wärst du nicht reich."
Berthold Brecht

Ich verstehe Berthold Brecht so: Wenn jeder sich nur das nimmt was er im jeweiligen Moment seines Lebens braucht, wäre für jeden genug vorhanden und Spendengalas für die Welthungerhilfe wären überflüssig.

*Es widerstrebt mir von der "Dritten Welt" zu sprechen, da es für mich nur eine Welt gibt.

Paulinchen

Mittwoch, 24. November 2010

Neues aus "Afrika": Kinder und Fernsehnachrichten

In den Fernsehnachrichten wird oft über Verbrechen berichtet. Meinst du, dass diese Art von Berichterstattung richtig ist, oder wünschst du dir andere Fernsehnachrichten?

Wenn ich ehrlich sagen soll, also echt ehrlich, mir gefallen die Fernsehnachrichten um eins, weil die sehe ich nicht, denn ich komme erst nach eins aus der Schule. Dagegen die Fernsehnachrichten abends, die hasse ich wirklich. Wenn mein Vater abends feierabends macht essen wir vor dem Fernseher. Aber kaum setzen wir uns hin, fangen die an, also die Fernsehnachrichten. Die fangen immer dann an, wenn wir anfangen. Papa ist der, wo sie anmacht. Kaum macht er sie an, kommt gleich das erste Unglück, dann wenn wir das erste essen, das zweite Unglück. Wenn wir am Tisch sitzen, essen wir immer nur mit den Unglücken. Dann wenn wir fertig sind, und das Gesicht von Gheddafi auftaucht, lässt Papa einen Rülpser raus.
Wenn mein Vater sieht, dass da NEAPEL geschrieben steht, sagt er: "Seid mal alle ruhig, damit man sehen kann, was wieder für ein Unglück geschen ist." Papa sagt, wenn sie Neapel zeigen, ist es immer nur, um über ein Unglück zu reden und dass, wie Neapel die Meisterschaft gewonnen hat, die in Turin sich in den Arsch gebissen haben.
Da ist so ein Idiot, wo die Fernsehnachrichten spricht, das ist ein Pickelheini und lacht wie ein Pferd.
Mir gefällt von den Nachrichten nur der Fußball, aber nicht, wenn der Napoli verliert.
Ich hätte gern, dass sie die Fernsehnachrichten nicht immer gerade dann machen, wenn wir essen, sondern ein bisschen später, dann könnten wir wenigstens in Ruhe essen!

Aus: "In Afrika ist immer August"

Dienstag, 23. November 2010

Sind Feministinnen emanzipiert?

Feminismus: Bewegung, die sich gegen die Unterdrückung der Frauen und für ihre Gleichberechtigung in der Gesellschaft einsetzt, Frauenbewegung.

Emanzipation: Die Befreiung aus Abhängigkeiten und der Gewinn von Selbstbestimmung. Lösung von Bevormundung.

Feminismus sowie Emanzipation haben scheinbar dasselbe Ziel. Der Feminismus beschäftigt sich mit den Frauen, während die Emanzipation alle Menschen einschließt.  Oft werden Feminismus und Emanzipation in einem Atemzug genannt, was den Eindruck erweckt, dass Feministen automatisch emanzipiert sind.

Feministen sind Anhänger einer Ideologie, während die Emanzipation das Ergebnis des sich lösens von Zwängen, Bevormundung und Abhängigkeiten ist. Emanzipation, so wie ich sie verstehe, ist ein Prozess der Entwicklung, des Loslösens aus Zwängen, Bevormundungen und Abhängigkeiten hin zu verantwortungsvollen, selbstbestimmten Handeln. Emanzipieren kann jeder nur sich selbst und für jeden sind es andere Zwänge und Abhängigkeiten.

Das Ziel des frühen Feminismus war es, die Frau aus dem Besitzstand des patriachalen Mannes herauszuholen und dieses Ziel wurde auch erreicht. Heute wird wohl kaum noch ein Mann ernsthaft auf die Idee kommen, seiner Frau verbieten zu wollen, dass sie ihr eigenes Geld verdient, oder ihr das eigene Konto zu verwehren. Auch die Berufswahl und das Wahlrecht macht ihr keiner mehr streitig. Selbstbestimmtes Leben ist damit allerdings noch lange nicht gewährleistet, da der Mensch den Hang dazu hat, sich immer wieder selbst in die absurdesten Abhängigkeiten zu begeben. Beispielsweise die Angst, den Erwartungen von Zeitgeist, Modetrends und Klischeevorstellungen nicht zu genügen.

Tonangebende Feministinnen wie Alice Schwarzer und ihre "Schwestern" haben in ihrem Eifer, die Frauen aus der Unterdrückung durch den Mann zu befreien, den natürlichen Wunsch der Frau, Mutter zu werden und ihre Mutterschaft genießen zu wollen, außer Acht gelassen und somit den Frauen im Allgemeinen einen Bärendienst erwiesen. Der Aufsatz: "Feministische Seelenvergiftung" zeigt die vielschichtige Problematik des Feminismus sehr gut auf und deckt sich weitestgehend mit meinen Beobachtungen.

Anhänger von Ideeologien laufen leicht Gefahr dogmatisch zu werden und nur noch ihre Sichtweisen gelten zu lassen. 

Emanzipiert sind in meinen Augen Menschen, die in der Lage sind, ihre Entscheidungen selbstbestimmt und im Einklang mit ihrem Umfeld zu treffen, sowie die Entscheidungen anderer zu akzepieren, auch wenn sie nicht ihren eigenen Vorstellungen entsprechen.

Paulinchen

Samstag, 20. November 2010

Neues aus "Afrika": Warum gibt es Krieg?

Warum gibt es deiner Meinung nach an der Schwelle zum Jahr zweitausend noch immer so viele Kriege?

An der Schwelle zum Jahr zweitausend gibt es immer noch so viele Kriege, weil es der Teufel ist, er ist es, der sie ausbrechen lässt. Er geht in den Kopf von den Fürern der Welt rein und sagt zu ihm: "Lass sofort einen Krieg ausbrechen!" und wenn dann der Fürer zu ihm sagt: "Aber ich hab doch gerade erst einen beendigt", sagt der Teufel zu ihm: "Das ist mir doch egal! Lass einen neuen ausbrechen." Und so, weil es soviele Teufel giebt, geht jeder zu einem Fürer und spricht ihm ins Ohr, und dann bricht der Weltkrieg aus.
Der böseste Mann der Geschichte war Itler, böser noch als Nero und Martin Luter, weil er wegen der Schuld von dem Teufel hundert Millionen Juden getötet hat und aus ihnen Seifen, Kerzen und Rasirwasser gemacht hat.
Und genau jetzt wie schreibe, genau gerade jetzt bereitet der Teufel den dritten Weltkrieg vor, weil er wird nie müde, Böses zu tun!
 
Aus : "In Afrika ist immer August"

Freitag, 19. November 2010

Die Zwickmühle der Beamten die noch über Empathie und Gerechtigkeitssinn verfügen

Im Interview bei "Bewusst TV" mit Jo Conrad spricht Thomas Wüppesahl, vom Verein "Kritische Polizisten" von den Nöten der Polizeibeamten und der systemischen Veränderung des Beamtentums. Warum z.B. das Recht der Remonstration so selten genutzt wird.

Nach meinem Verständnis sollte jeder aufrechte Bürger Deutschlands, der in Freiheit und Frieden leben will, sich zum Zwecke des Selbstschutzes dieses Interview unbedingt anhören. Nur wer den Stand der Dinge kennt, kann auch angemessen reagieren. 

Paulinchen

Donnerstag, 18. November 2010

Und du sagst, du kannst nichts tun!

Ein gutes Wort,
eine nette Geste ...

... ein Schritt
weiter ins helle Feld der 
Menschlichkeit.

Einmal auseinandersetzen in ruhigem Gespräch.
Nicht einander zusetzen im Streit ...

... ein Takt
mehr in die Friedensmelodie.

Einmal etwas mehr geben,
einwenig verzichten ...

... ein Licht 
mehr in der dunklen 
Gerechtigkeitsecke.

Einmal mehr versuchen,
zu verstehen ...

... ein Grad plus
weiter fort vom
Gefrierpunkt des Liebesthermometers.

Einmal mit offenen Augen
durch die Welt gehen,
sehen, dass es noch andere
und anderes gibt.

UND DU SAGST, DU KANNST NICHTS TUN!
Kristiane Allert-Wybranietz

Aus: "Trotz alledem"
lucy körner verlag

Montag, 15. November 2010

Wie Kinderhirne ticken ... und was Erwachsene darüber wissen sollten

Vor einigen Tagen, ich suchte ein besimmtes Buch in meinen Bücherregalen, blieb mein Blick auf dem Titel: "In Afrika ist immer August" von Marcello D'Orta hängen. Ich vergaß was ich eigentlich suchte und ohne zu überlegen warum, nahm ich es und fing an zu lesen. Im Vorwort erfuhr ich, das mich gesammelte Schulaufsätze von Kindern aus einem Vorort von Neapel erwarten.

Auf der Rückseite des Buchumschlages ist zu lesen: "Das sind Texte, die vordergründig meist zum Lachen reizen, dann aber nachdenklich machen und unter die Haut gehen. Abgesehen von ein paar italienischen Besonderheiten sind es auch die Probleme und Ansichten unserer Kinder, die in den Briefen stehen, unverhüllt, ungeschminkt und nüchtern. Wer Kinder mag und mehr über sie wissen will, findet in diesen Texten mehr Wahrheiten, als ihm vielleicht lieb ist."
Deutschlandfunk, Köln

Ich liebe Kinder und unter die Haut gehende Geschichten, deshalb möchte ich dem interessierten Leser einige davon  empfehlen und ans Herz legen.

Was weißt du über die Französische Revolution?

Die Französische Revolution hat gesehen, dass da die Amerikanische Revolution war und hat die Französische Revolution gemacht.
Die Königin Marie Antoniette hat sich ein schönes Leben gemacht, sie ist um fünf nach zwölf aufgestanden, hat zum  Frühstück einen Capuccino mit einem mottino* getrunken, sich dann das Gesicht, die Fingernägel, das Bide gewaschen. Marie Antoniette hat sich Kleider und Schmuck mit dem Geld von den Steuern von den Armen gekauft. Dann hat sie vor allen Leuten immer einen großen Tanz gemacht. Sie hat sich nicht um ihre Kinder gekümmert, hat sie nicht gesäugt, nicht gekämmt, sie hat nur an sich gedacht. Auch der König hat furchtbar angegeben, der hat geglaubt, er ist Gott. Bei ihm zuhaus da herrschte ein Luxus, sie lebten im Luxus, alles war aus Gold: die Stühle Gold, die Gläser Gold, die Bestecke Gold. Aber das Volk grepierte vor Hunger und seine Bestecke waren nur aus Plastik.
Also hat es losgebrüllt, es sind ihm vor Nervösheit die Nerven durchgegangen, und so ist die Französische Revolution ausgebrochen. Sie haben alle verprügelt. Sie haben zugeschlagen. Einer hat dem andern sogar ins Gesicht gespuckt. Es setzte Prügel. Wenn Brus Li* dagewesen wäre, hätte er sie in die Luft geschmissen.
Sie gingen zur Bastille und nahmen sie sich, dann haben sie die Gilljotine erfunden und immer die Köpfe abgeschlagen. Der König hat sich wie ein Bauer angezogen, um zu fliehen, aber sie haben ihn trotzdem geschnappt und töteten ihn. Marie Antoniette hat sogar noch auf der Gilljotine angegeben und gesagt, ich bin schöner wie die Französische Revolution. Und sie töteten sie.
Dann kam Napoleon.

* ein Markengebäck (A. d.Ü.)
* Bruce Lee, karatekämpfender Filmstar

Donnerstag, 11. November 2010

Bonmot

"Wissen nennen wir jenen kleinen Teil der Unwissenheit, die wir geordnet und klassifiziert haben."
Ambrose Bierce

Mittwoch, 10. November 2010

Alles beginnt im Kleinen

Gestern fand ich die nötige Zeit und Muse mich der neuen Ausgabe des Magazins "Humane Wirtschaft" zu widmen. Im Inhaltsverzeichnis sprang mir die Überschrift: "Die Kultivierung der Großzügigkeit" von Pat Christ ins Auge. Mit jeder Zeile die ich las, wuchs meine Begeisterung und ich entschloss mich beim Verlag nachzufragen, ob ich diesen Artikel auf meinem Blog veröffentlichen dürfe. An dieser Stelle ein HERZLICHES DANKE an Herrn Wilhelm Schmülling für seinen Vertrauensvorschuss.

Möge der Geist dieses Artikels bei den interessierten Lesern/Leserinen auf empfangsbereite Sensoren treffen und seine volle Wirkung entfalten.




Das  Leiden ist vielfältig, seine Ursache rasch ausgemacht: Menschen in dieser Gesellschaft geht es nicht gut, weil von ihnen rastloses Streben erwartet wird. "Wer stehen bleibt, fällt zurück!" warnt ein kapitalistischer Sinnspruch. Es gilt, am Ball zu bleiben. Die Nase vorn zu haben. So will es das herrschende Wirtschaftssystem. Die Unzufriedenheit wächst und mit ihr die Unruhe. Was tun? "Es braucht einen Bewusstseinswandel", sagt der Altphilologe und Philosoph Dr. Werner Peters. Einen Wandel hin zu einer neuen Ethik. 

Dienstag, 9. November 2010

Reine Handarbeit

Wir stricken unser Leben.

Manche wählen ein kompliziertes Muster,
andere ein schlichtes.
Es ist ein buntes Maschenwerk
oder ein Stück in tristen Farben.

Nicht immer können wir 
die Farbe selber wählen;
auch die Qualität der Wolle wechselt,
mal weiß und wolkenflauschig,
mal kratzig und hart.
Die einen stricken liebevoll und sorgsam,
andere mühevoll und ungern.
Und so manchmal schmeißt einer 
das Strickzeug in die Ecke.
Und öfters lässt du eine Masche fallen,
oder sie fällt ohne dein Zutun.
Du hast die Nadeln in der Hand!
Du kannst das Muster wechseln,
die Technik oder das Werkzeug.

Nur aufribbeln
kannst du nicht
ein klitzekleines Stück.
Kristiane Allert-Wybranietz

Aus: "Trotz alledem"

Sonntag, 7. November 2010

Seelenfenster


Von Zeit zu Zeit
sich zurückziehen
in das Haus
unserer Seele,
schweigen,
ausruhen,
ganz für sich sein.
Die Seelenfenster 
vom Staub des 
Alltags befreien,
an verschlossenen
Türen rütteln,
sch selber auf
den Grund gehen.
und dann hinaus treten in
die Sonne: Da bin ich wieder!

Edition Card Art 
Karten aus der Grafik Werkstatt Bielefeld
Foto und Text Jochen Mariss
www.grafik-werkstatt-bielefeld.de

Das sollten wir uns wert sein.

Samstag, 6. November 2010

Volker Pispers: Rechtsstaat




Transkript zur Sendung

Jetzt sagen Sie nicht, es ist schon wieder Dienstag.
Ist das nicht herrlich? Der Aufschwung ist im vollen Gange. Laut Wirtschaftsminister Brüderle sind wir auf der Schnellstrasse zur Vollbeschäftigung und diese Schnellstrasse wird jetzt geteert und gefedert von Bilfinger und Berger, die dafür extra Roland Koch als zusätzliche Arbeitskraft eingestellt und damit die Zahl der Arbeitslosen endgültig unter die magische Grenze von drei Millionen gedrückt haben. 

Früher galten Langzeitpolitiker auf dem Arbeitsmarkt als schwer vermittelbar. Inzwischen hat die Wirtschaft aber erkannt, dass Kernkompetenzen wie Skrupellosigkeit, Lügen ohne rot zu werden und pragmatischer Opportunismus in Zeiten des Fachkräftemangels nicht ungenutzt bleiben dürfen. Die Firma Bilfinger und Berger, deren Chef Roland Koch jetzt werden soll, hat sich schließlich nicht zuletzt durch den U-Bahnbau in Köln einen Namen gemacht. Da muss man schon zugreifen, wenn ausnahmsweise mal ein Mann auf dem Markt ist, der den moralischen Ansprüchen des Gewerbes voll gewachsen ist. Und alle Unkenrufe, ob Roland Koch dieser Aufgabe überhaupt gewachsen ist, sollten bitte sofort verstummen. Der Mann ist studierter Jurist und Juristen können einfach alles. Jura, das ist der Tampon unter den Studiengängen. Sie kennen doch den Witz von dem Sechsjährigen, der sich zu Weihnachten OB-Tampons wünscht. Auf die Frage, was er denn damit will, sagte er: "Mit OB-Tampons kann man alles - Reiten, Radfahren, Schwimmen...", und genau so ist das mit Jura. Wer nicht weiß, was er werden soll, studiert Jura.
Damit kann man Minister werden, Vorstands- oder zumindest Personalchef, man kann in Behörden Karriere machen. Man kann bei Banken, Versicherungen oder Energiekonzernen arbeiten. Man kann sich im Prinzip bei allen mafiaähnlichen Organisationen und Institutionen nützlich machen, denn wir leben schließlich in einem Rechtsstaat. Und ein Jurist ist mehr oder weniger von Haus aus im Recht, denn er ist im Recht zu Hause.

Dass es dabei nicht immer mit rechten Dingen zu geht, ist eine böse Unterstellung der Linken, die bekanntlich deshalb rot sind, weil sie soviel lügen. Was aber ein rechter Jurist ist, hat gelernt zu lügen ohne rot zu werden, deshalb ist er in der Regel ein Schwarzer. Und deshalb geht in diesem Land auch beim Linken alles mit rechten Dingen zu. Stuttgart 21, die Verlängerung der Restlaufzeiten für AKWs, die Bonuszahlungen für Pleitebanker, unser Verteidigungskrieg in Afghanistan, die statistische Verwandlung von arbeitslosen Hartz-IV-Empfängern, usw. usw.
Im Rechtsstaat heißt Recht haben nicht unbedingt Recht bekommen, denn wenn der Recht bekäme, der eh schon Recht hat, das wäre doch ungerecht.
Bis neulich

Mittwoch, 3. November 2010

Alles geschieht durch Geld

Nachfolgend einige Videos für Menschen die Zeit und Muse haben, sich den Irrungen und Wirrungen unserer zivilisierten Gesellschaften zu widmen.

Eine Welt ohne Geld - bald ist es soweit

Ein-Euro-Jobber bringen 2 Mrd. Gewinn für die Armutsindustrie

Die Kranken und das Gesundheitssystem

Wirtschaft + Wachstum = Sozialabbau


Montag, 1. November 2010

Ich sah nie

Ich sah nie einen zweifelnden Berg,
nie eine unsichere Rose,
keinen fanatischen Stein,
nie depressive Wolken,
keinen durchgestylten Himmel.

Nie begegnete mir ausgebranntes Feuer,
noch traf ich verlogenes Wasser.

All diese Adjektive
tragen wir Menschen allein
- als fraglichen Schmuck.
Kristiane Allert-Wybranietz

Aus: "Willkommen im Leben! Wo warst Du solange?"

Donnerstag, 28. Oktober 2010

Der alte Zigeuner

Es war eine schmucke, saubere und ordentliche kleine Stadt. Das Leben der Bewohner verlief in geregelten Bahnen, die nur selten durch eine unliebsame Störung unterbrochen wurden. Und alle in der Stadt waren bemüht, diese so beruhigende Ordnung auf keinen Fall zu gefährden oder in Frage zu stellen.
In jedem Sommer ließen sich Zigeuner für ein paar Tage am Rand dieser kleinen Stadt nieder. Da sie sich in den normalen Gang der Dinge einfügten und keine Unordnung brachten, wurden sie zwar meist argwöhnisch beäugt, aber immerhin geduldet. Die Frauen kauften bei ihnen Stoffe und Korbwaren und besuchten heimlich, ohne dass es ihre Männer wussten, die alte Zigeunerin mit der Kristallkugel und den Tarotkarten. Die Männer bewunderten mancherlei Vorführungen und Kunststücke und besuchten heimlich, ohne dass es ihre Frauen wussten, ebenfalls die alte Wahrsagerin. Und die Kinder strichen neugierig und aufgeregt um die Wagen der Zigeuner herum. Hier roch es nach Abenteuer und Fernweh - und vor allem kam nach ein paar Tagen immer der alte Roman aus seinem Wagen, von den Kindern sehnsüchtig erwartet.

Dienstag, 26. Oktober 2010

Bonmot

"Jedes Kind das etwas taugt, wird mehr durch Auflehnung als durch Gehorsam lernen."
Peter Ustinov

Montag, 25. Oktober 2010

Minority-Report für Neunjährige

Kampf gegen Jugendkriminalität: NRW plant Erziehungscamp für Neunjährige

Schleichend und von der Mehrheit nahezu unbemerkt, wurde die Institution Familie destabilisiert und zu großen Teilen vernichtet. Das Resultat ist nun klar erkennbar: Immer mehr verstörte und vernachlässigte Kinder. Und wie reagiert die Gesellschaft? Mit Erziehungscamps.

Kinder, die sich nicht anpassen, brav "Püppchen" zum Vorzeigen sein wollen, werden therapiert, medikamentiert und, wenn das nicht hilft, weggesperrt und konditioniert.
Warum revoltieren (ich meine hier nicht die pubertäre Revolte) Kinder und Jugendliche gegen die bestehende Gesellschaftsordnung? Es sind viele Faktoren die da zusammenkommen.
Zunächst einmal gibt es das soziale Gefüge - im Idealfall die Großfamilie, in der Kinder Zeit und Aufmerksamkeit nach ihren Bedürfnissen bekommen - kaum noch.
Überwiegend falsch verstandene "Emanzipation der Frau", sowie gestiegenes Anspruchsdenken, führten dazu, dass beide Elternteile arbeiten wollten/mussten. Für den Nachwuchs blieb immer weniger Zeit und die Kinder waren gezwungen, mit ihren Bedürfnissen nach Zuwendung und Aufmerksamkeit auf den Zeitplan der Eltern Rücksicht zu nehmen. Das Fernsehen wurde zum beliebten "Babysitter" und Unterhaltungsformate jeglicher Art übernahmen die Erziehung. Die Erwachsenen gingen dazu über, die Zeit, die ihnen für ihre Kinder fehlte, mit materiellen Geschenken zu kompensieren.
Im Laufe dieser unheilvollen Entwicklung verlernten immer mehr Eltern, was "Eltern sein" bedeutet. Hilflosigkeit machte sich breit und die Lösung der angeblich von den Kindern verursachten Probleme wurden immer öfter in die Hände von Psychologen, Therapeuten und Supernannys gegeben. Immer lauter wurde der Ruf nach Kinderkrippen und sonstigen Möglichkeiten, die "Lieblinge" so früh wie möglich in fremde "professionelle" Hände zu geben.
Über Jahre hinweg wurden soziale Einrichtungen wie z.B. Jugendtreffs, Frei- und Hallenbäder ersatzlos geschlossen. Kinder und Jugendliche werden immer mehr sich selbst überlassen und verständnisvolle Erwachsene, die sich ihrer annehmen, gibt es immer weniger.
Nun verweigern sich diese abgeschobenen "Seelen" und einige davon werden renitent und schlagen zurück, indem sie uns jetzt nicht mehr zuhören. Sie werden zu dem, was wir ihnen vorlebten: rücksichtslose, mitleidlose Egomanen, die auch den bestgemeintesten Argumenten nicht mehr zugänglich sind. Menschen, die noch in der Lage sind, sich einzufühlen und zu fragen: "Was würde ich machen, wenn ich diese Person wäre?", werden nicht umhin kommen, Partei für den Delinquenten zu ergreifen.
Jetzt da die Grundlage "Geld" immer mehr Menschen entzogen wird, sind die Folgen, die die Zerstörung der Familie mit sich brachte - für den der sehen kann/will - klar zu erkennen.

Erziehungscamps sind für dieses, von der ganzen Gesellschaft erzeugte Problem keine Lösung. Ganz im Gegenteil, die Zustände werden sich dadurch nur noch verschlimmern. Die Gewinner dabei werden nur die Betreiber solcher Einrichtungen sein.

Die Gesellschaft, in der wir heute leben, ist krank und die Krankheit heißt schlicht und ergreifend "Jeder ist sich selbst der Nächste". Wenn es uns nicht gelingt aus der jetzigen Gesellschaft eine Gemeinschaft zu machen, werden auch noch die letzten Reste sozialen Denkens und Handelns verschwinden. Wollen wir das?

Paulinchen

Donnerstag, 21. Oktober 2010

Mittwoch, 20. Oktober 2010

Die Frau mit den steinernen Brüsten

Niemand weiß, woher sie kam. Auch ich kenne ihre Geschichte nicht. Sie war eines Tages einfach da - die Frau mit den steinernen Brüsten.
Zu dieser Frau kam ein Junge. Weil er noch sehr klein war, wollte er sich oft an die Frau anlehnen. Manchmal, wenn er durstig und hungrig war, hätte er gerne an ihren Brüsten getrunken. Doch er spürte dann immer nur Härte und Kälte und wurde nie satt, denn steinerne Brüste geben keine Milch.

Montag, 18. Oktober 2010

Bonmot

"Das genaue Gegenteil was allgemein geglaubt wird, ist meist die Wahrheit"
Jean de la Bruyère, 1645-1696, französischer Schriftsteller

Freitag, 15. Oktober 2010

Ein Lebenswerk

Einst lebte ein junger Maler im 'weiten Land'. Alles, was er besaß, waren ein altes, großes Haus und ein Brummen.
Die Wasserstelle, nur wenige Meter vom Haus entfernt, sorgte dafür, dass rings um das Gebäude einige dürftige Pflanzen, Büsche und Bäume gediehen. Mit viel Mühe baute der junge Maler auf einem Feld auch Obst, Gemüse und Mais an, um sich zu ernähren.
Abgesehen von dieser grünen Insel war die Gegend um das Haus ausgetrocknet, unfruchtbar und wüstengleich. Seit Jahren war kein Regen niedergegangen, weshalb das Land, soweit das Auge reichte, in grau-weiß-gelber Eintönigkeit ausgestreckt lag.
Auch die Ziegel des Hauses waren durch die immerwährende Sonnenglut schließlich gebleicht, so dass die Wüste auf diese Art schon einen Vorboten in das Herz der Oase entsandt hatte. 
Das sah auch der junge Maler, als er eines Morgens vom Wasserholen zum Haus zurückging. Dennoch begab er sich  - wie immer - an sein Tagwerk und malte. Er malte auch in den folgenden Tagen, Wochen und Monaten. Er malte so lange, bis ihm die Leinwand ausging und auch sein Vorrat an Ölfarben sich dem Ende zuneigte.
Mit jedem Tag jedoch, da er den Weg vom Brunnen zum Haus zurücklegte, wuchs in ihm der Entschluss, der Wildnis ihren Triumph nicht zu gönnen.
Als dann sein letztes Bild vollendet worden war, erkannte der Maler, dass er keine Leinwand mehr brachen würde. Er wollte von nun an sein Haus bemalen, um durch die Lebendigkeit seiner Farben der Natur zu trotzen. Doch die einzigen Farben, die ihm geblieben waren, fanden sich in einigen großen  Aquarell-Farbkästen, die lange Zeit unbeachtet in einem Winkel des Ateliers gelegen hatten.
Als er aber beginnen wollte, überkamen den Künstler Zweifel, ob es ihm überhaupt möglich sei, sein Vorhaben zu verwirklichen.
Das größte Wagnis schien ihm, das Haus in die so leicht vergänglichen Aquarell-Farben zu kleiden. Jedoch ein Blick zum strahlend blauen Himmel zerstreute seine Ängste vor möglichen Regenfällen.
Auch andere Schwierigkeiten überwand der Maler. Manche Probleme lösten sich gar von selbst: So etwa die Frage, welche Themen er überhaupt auftragen sollte; denn er begann einfach zu malen.
Dies geschah aus der Hochstimmung, eine große Aufgabe bewältigen zu wollen, die sich ihm bislang noch nicht gestellt hatte. Und er ahnte, dass er sich an kein enges Thema zu halten brauchte, wenn er einfach seine Erfahrungen darstellen würde.
Er grundierte, legte Konturen an und malte. Er schlief nur noch kurze Zeit, um das Tageslicht so intensiv wie möglich für seine sorgfältige Arbeit auszunutzen. Und die Sonne schien lange im 'weiten Land'.
Kaum noch fand der Künstler Zeit, sich um seinen Garten und sein Feld zu kümmern - so sehr war er mit seiner Malerei beschäftigt.
Auf dem ehemals bleichen Mauerwerk entfaltete sich mit den Monaten und Jahren ein - aus der Nähe betrachtet - unüberschaubarer Reigen von Figuren, Landschaften und Kompositionen, die abstrakte Empfindungen verkörperten.
Demgegenüber fanden sich die einzelnen Episoden - aus der Fernen betrachtet - zu einem geordneten Ganzen zusammen, was selbst den Maler, der ja all das geschaffen hatte, erstaunte und nachdenklich stimmte.
Er war älter geworden, und noch immer zeigte sich nicht einmal die Hälfte der zur Verfügung stehenden Fläche bemalt.
Dadurch, dass er nun seinen Wünschen und Hoffnungen auf den Wänden Gestalt verlieh, war es dem Maler möglich, sich von seiner Persönlichkeit zu lösen und sein Selbst mit dem auf der Wand zu vergleichen. Durch diese Wechselbeziehung, in welcher er mit seinen Schöpfungen trat, wurde er angeregt, immer neue Formen und Gestalten hervorzubringen.
In den ersten Jahren dachte er nur selten an den Regen: Zu ungewohnt war diese Erscheinung im 'weiten Land'.
Später dann, als das Werk schon weiter fortgeschritten war, ertappte sich der Maler des öfteren dabei, wie sein Blick zum Himmel wanderte. Unruhe überfiel ihn, wenn sich nur die kleinste Wolke zeigte.
Als er etwa die Hälfte der Fläche bedeckt hatte, ging er in seiner Furcht gar so weit, dass er aus den Ästen der wenigen Bäume in der Umgebung Schutzdächer über den Wänden baute, um so den gefürchteten, alles vernichtenden Schauer abzuhalten. Aber es fiel kein Regen.
Haar und Bart des Malers waren inzwischen grau geworden. Auch bemerkte er, dass er nicht mehr mit der früheren Behändigkeit auf seinen Leitern und Gerüsten umhersteigen konnte.
Mehr als dreiviertel der Fläche war nun schon ausgefüllt und noch immer mangelte es dem Maler nicht an Ideen oder Willenskraft, sein Werk zu Ende zu bringen.
Die Angst vor dem Regen war mit jenen Schutzdächern gestorben, die ihren Zweck nicht erfüllt hatten, langsam verrotteten, abbrachen und von da an am Fuß des Mauerwerks unbeachtet liegen blieben.
Der Maler wusste nun, dass er sein Lebenswerk vollenden konnte. Mit fast demselben Eifer, der ihn einst als jungen Mann beflügelt hatte, stürzte er sich noch einmal in seine Arbeit.
Endlich nahte der Tag, an dem der letzte Flecken Grau verschwinden sollte.
Liebevoll führte der alte Mann mit zitternder Hand den Pinsel. Zärtlich glitt sein Blick über die Fassade, den Giebel und die Gesimse. Er verharrte da und dort, in der Erinnerung an die Zeit, in welcher diese oder jene Darstellung entstanden war. Zufriedenheit erfüllte den Greis. Und Stolz, wie ihn ein Vater empfindet, dessen Sohn es 'zu etwas gebracht hatte'.
Lag es am schwinden Augenlicht oder hatte der Alte die Umwelt vollkommen vergessen? Er merkte nicht, wie sich fern am Horizont dunkle Wolken zusammenballten und unaufhaltsam näher trieben.
Der letzte Strich war gezogen und erst jetzt fühlte der alte Maler, wie erschöpft er war. Vorsichtig stieg er die Leiter herab und legte sie auf den Erdboden. Dann wandte er sich um und gewahrte das drohende Unwetter, welches mit Windeseile heranzog.
Zunächst spürte er in sich die Erinnerung an längst vergangene Ängste wachwerden. Doch dann wanderte ein Schimmer Erkenntnis über sein faltiges Gesicht. Er ging ein Stück des Weges und setzte sich dann so auf einen Baustumpf, dass er das Ergebnis seiner jahrelangen Arbeit genau beobachten konnte - gerade, als die ersten Tropfen den Boden netzten . Bald prasselten heftige Regengüsse auf das Haus und in dicken Strömen rann die aufgelöste Farbe an den Wänden herab.
So rasch, wie das Unwetter gekommen war, verzog es sich auch wieder.
Die ganze Zeit über hatte der alte Mann mit verstehendem Lächeln da gesessen. Als sich die letzte Wolke aufgelöst hatte und die Sonne das blankgewaschene Haus erstrahlen ließ stand der Alte auf und ging fort, ohne den Blick noch einmal zurückzuwenden.
Jürgen Stiller

Aus: "Die Farben der Wirklichkeit - ein Märchenbuch"
lucy körner verlag

Donnerstag, 14. Oktober 2010

Bonmot

"Der einzige Mensch, der sich vernünftig benimmt, ist mein Schneider. Er nimmt jedesmal neu Maß, wenn er mich trifft, während alle anderen immer die alten Maßstäbe anlegen in der Meinung, sie passten auch heute noch."
George Bernhard Shaw, 1856-1950, irischer Dramatiker, Politiker, Satiriker, Musikkritiker

Wie ich dieses Zitat verstehe, hat Adalbert Naumann sehr anschaulich dargestellt und ich habe dem nichts mehr hinzuzufügen.

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Bonmot

"Eine Gesellschaft von Schafen muss mit der Zeit eine Regierung von Wölfen hervorbringen." 
Juvenal, römischer Satiriker

Dienstag, 12. Oktober 2010

Macht euch die Erde untertan

Nachfolgend einige Beispiele wo es hinführte, dass wir uns diese Worte zu Eigen machten.

Schmutzige Schokolade

Hauptsache billig




Das gerechte Hemd 

Schlangen leiden für die Luxusbranche

Kindersklaven



Moderner Sklavernhandel in Deutschland



Jeder muss sich selber fragen, ob er hinsehen oder wegsehen will. Keinem kann die Verantwortung dafür abgenommen werden, ob er - nach seinen Möglichkeiten - etwas zur Verbesserung der errschenden Zustände unternimmt oder nicht. Was immer auch der Einzelne macht, die Konsequenzen seines Tuns muss jeder selber tragen. Seit es Internet gibt, kann keiner mehr sagen: "Davon habe ich nichts gewusst". Es gibt noch tausende aufklärende Eintäge. Man muss nur bereit sein, danach zu suchen.

Paulinchen

Samstag, 9. Oktober 2010

Holzauge sei wachsam

Es ist mir schleierhaft, was es bei der Forderung nach einem Baustopp zu schlichten geben soll. Baustopp heißt nach meiner Definition, es werden alle Tätigkeiten am Bau eingestellt. Ohne Wenn und Aber.

Für mich stellt sich die Situation in Stuttgart folgendermaßen dar.
Das Projekt "Stuttgart 21" wurde den Bürgern von Anfang an in den schönsten Farben schmackhaft gemacht. Ottonormalverbraucher sagte sich "Einen neuen Bahnhof, unterirdisch, toll" und ging dann seinen gewohnten Geschäften nach, ohne einen weiteren Gedanken daran zu verschwenden. Er sagte sich: Die werden schon wissen was sie machen, ich hab eh keine Ahnung davon und es hört sich gut an. Einige waren neugierig oder skeptisch und fragten sich, wie dieses Vorhaben in die Tat umgesetzt werden soll. Nach und nach stellten sie dann fest, dass dieses Projekt erhebliche Risiken birgt und versuchten ihre Bedenken in die Öffentlichkeit zu tragen, doch Kassandrarufe werden nicht gerne gehört.

Freitag, 8. Oktober 2010

Ohne Worte

Ein bisschen Frieden wünscht sich König Mappus


Dienstag, 5. Oktober 2010

Mappus lehnt Volksabstimmung über "Stuttagrt 21" ab

Die "Tagesschau" meldet: Morgen will Ministerpräsident Mappus eine Regierungserklärung zu "Stuttgart 21" abgeben, mit einem Angebot, das man wie er sagt, nicht ablehnen könne.

Unwillkürlich sah ich Marlon Brando vor mir stehen und ich hörte ihn sagen: "Ich habe ihm ein Angebot gemacht, das er nicht ablehnen konnte." 

Liegt das jetzt an dem gleichlautenden Satz oder ist vielleicht doch erhöhte Vorsicht geboten? Also ich persönlich bin mittlerweile sehr skeptisch, bei dem was Politiker anbieten. Man wird abwarten müssen.

Paulinchen

Montag, 4. Oktober 2010

Absolut Sehenswert

Michael Ehnerts "Lost Action Hero" ist ein Erlebnis der besonderen Art. Wer schon immer mal ein wahrer Held sein wollte, findet, wenn er 59 Minuten und 23 Sekunden seiner kostbaren Zeit  investiert und sich die dargebotene Vorstellung ansieht, ein reichhaltiges Angebot an Anregungen, sich seinen Wunsch zu erfüllen.

Pressestimmen 

Paulinchen wünscht viel Vergnügen

Freitag, 1. Oktober 2010

Polizei dein Freund und Helfer?

Was sind Polizisten eigentlich für Menschen? 
Sind sie überhaupt noch Menschen oder werden sie zu Seelenlosen Befehlsempfängern wenn sie ihre Uniformen anziehen? 
Womit rechtfertigen sie sie vor sich selbst, wenn sie auf Kinder und wehrlose friedliche Demonstranten einprügeln? 
Wissen sie nicht, dass sie gegen ihre Brötchengeber stellen? 
Oder woher glauben sie, dass das Geld kommt? 
Es sind die Steuerzahler die ihr Leben finanzieren!
Wer nach solchen Taten noch gut schlafen kann, der muss schon sehr verroht sein.

Ich jedenfalls kann heute nicht schlafen und die Bilder die ich heute gesehen habe, werden mich noch lange, lange Zeit verfolgen. Schade, dass es die Bäume aus "Herr der Ringe" nicht wirklich gibt.

Danke an alle die vor Ort waren.

Euer trauriges Paulinchen

Mittwoch, 29. September 2010

Dieses Vorgehen schreit nach Trittbrettfahrern

Diese Aktion der Arbeitsloseninitiative Aurich verdient es, dass sie bundesweit unterstützt wird. Je mehr Menschen sich entschließen dabei mitzumachen umso größer wird der Erfolg sein. Also verbannt eure Angst und euer Zaudern in den Keller und folgt dem Auricher Beispiel. Allein schaffen sie es nämlich nicht. Hierbei können wir unsere Kreativität und Entschlossenheit unter Beweis stellen. GEMEINSAM werden wir es schaffen. Lassen wir diese Chance nicht ungenutzt verstreichen indem wir uns sagen: 'Das klappt ja doch nicht.' Wer so denkt hat schon verloren.



Paulinchen

Dienstag, 28. September 2010

Ursula von der Leyen bei Anne Will

Ursula von der Leyen erklärt die Berechnungsgrundlage für Hartz 4. Kleine Einkommen scheint ihr Lieblingswort zu sein. Im folgenden ab Minute 1:14 - 3:26 v. d. Leyens Worte zum Lesen.

Anne Will: "Frau von der Leyen, 5 Euro mehr ab 1. Januar 2011, was kann sich ein Hartz 4 Empfänger davon mehr erlauben, als er das bislang konnte?"

Ursula v. d. Leyen: "Die 364 Euro, für den Lebensunterhalt, - dazu gibt's noch die Warmmiete - die 364 Euro das ist das Existenzminimum, was berechnet worden ist, in den letzten sieben Monaten vom statistischen Bundesamt, so wie das Bundesverfassungsgerichtsurteil es uns auferlegt hat, und zwar gemessen daran, was die kleinen Einkommen, der Pförtner, die Verkäuferin, die Frisörin, der Maler, was die in ihrem Einkommen ausgeben können für den Lebensunterhalt, für Nahrungsmittel, Kleidungsmittel, Kleidungen und an diesen Ausgaben ist gemessen worden - was braucht der Mensch, was sind die Ausgaben, die notwendig sind, und das ist eben das die Wirklichkeit ins Stammbuch schreibt, was die Summe ist, die man für das Existenzminimum braucht. Insofern ist..."

Anne Will: "Aber das ist ein bisschen rumdrucksen, weil die Frage war ja tatsächlich "5 Euro mehr", das sind heruntergerechnet 16 Cent pro Tag mehr. Was kann sich davon jemand mehr erlauben als bisher?"

Ursula v. d. Leyen: "Nein, Frau Will, nicht die Frage "mehr", sondern die Frage, das Bundesverfassungsgericht hat nicht gesagt, die Regelsätze sind zu niedrig. Es hat gesagt, rechnet sauber, und genau das haben wir getan. Es hat nämlich genau gesagt, wir sollten mit dem statistischen Bundesamt klären, was geben kleine Einkommen heute im Alltag aus, dann kann man bestimmte Positionen noch raus nehmen, z.B. Tabak, z.B. Alkohol. Man kann sagen, und das haben wir auch gesagt, das gehört nicht zur Existenzsicherung, das braucht man nicht als Grundbedarf. Der Grundbedarf an sich ist unantastbar und das ist die Lebenswirklichket in unserem Land. Der einfache Malermeister, die Verkäuferin, die muss auch mit ihrem Budget zurecht kommen, die muss Schwerpunkte setzen und genau diese Transparenz wollte das Bundesverfassungsgericht herstellen. Das haben wir gemacht und das Existenzminimum ist eben nicht etwas, was man sich wünschen kann, oder wo ein Katalog von Dingen drin ist, die man gerne hätte, sondern die Leute heute ausgeben können. Das bestimmt das Existenzminimum in unserem Land."

Zum Ende der Sendung gibt es noch einen interessanten Einspieler mit dem Titel Real-Live-Shopping. Genau so was brauchen Langzeitarbeitslose, "Kaufladenspiel für Erwachsene". Ist doch enorm motivierend, wenn man einkaufen lernen darf wie dreijährige. Es würde mir aber sehr gefallen, wenn ich unsere selbst ernannten Eliten in diesem Supermarkt beobachten könnte.

Paulinchen

Donnerstag, 23. September 2010

Erstaunlich aber wahr
















Auf welchen Wegen und warum der Krebs sich diese Brühe aus Kühlwasser, Hydrauliköl und diversen Sprühmittel als sein Domizil aussuchte, bleibt sein Geheimnis. Erstaunlicherweise hat er eine geraume Zeit darin gelebt. 
Als mein Mann in seiner Eigenschaft als Monteur, zur Reparatur einer Schmiedepresse, in einer Firma in Hebers Springs, Arkansas USA eintraf, erzählten ihm die dort Beschäftigten, dass sie dieses Exemplar vor ca. zwei Wochen das erste Mal gesehen hätten. Nachdem mein Mann dieses Foto gemacht hatte, starteten sie die Rettungsaktion und setzten ihn in sauberes Wasser. Zwei Stunden später war er tot. 

Paulinchen