Donnerstag, 31. Dezember 2009

Jahresmenue

Man nehme:

12 Monate, putze sie sauber von Bitterkeit, Geiz, Pedanterie und Angst
zerlege jeden Monat in 30 oder 31 Teile, so dass der Vorrat genau für ein Jahr reicht.

Es wird jeder Tag einzeln angerichtet aus:
1 Teil Arbeit und 2 Teilen Frohsinn und Humor.
Man füge 3 gehäufte Esslöffel Optimismus hinzu,
1 Teelöffel Tolleranz,
1 Körnchen Ironie
und 1 Prise Takt.

Dann wird die Masse mit sehr viel Liebe übergossen. Das fertige Gericht schmücke man mit Sträußchen keiner Aufmerksamkeiten und serviere es täglich mit Heiterkeit und einer guten erquickenden Tasse Tee...

Katharina Elisabeth Goethe (1731-1808)

Allen die Gefallen an diesem Gericht finden ein gutes Gelingen.

Mittwoch, 30. Dezember 2009

Das Hemd der Zufriedenheit

Es war einmal ein reicher König, dem machte das Regieren so viele Sorgen, dass er darum nicht schlafen konnte die ganze Nacht. Das ward ihm zuletzt so unerträglich, dass er seine Räte zusammenberief und ihnen sein Leid klagte. Es war aber darunter ein alter erfahrener Mann, der erhob sich, da er vernommen hatte, wie es um den König stand, von seinem Stuhle und sprach: "Es gibt nur ein Mittel, dass wieder Schlaf in des Königs Augen kommt, aber es wird schwer zu erlangen sein; so nämlich dem Könige das Hemd eines zufriedenen Menschen geschafft werden könnte und er das beständig auf seinem Leibe trüge, so halte ich dafür, dass ihm sicherlich geholfen wäre." Da das der König vernahm, beschloss er, dem Rate des klugen Mannes zu folgen und wählte eine Anzahl verständiger Männer, die sollten das Reich durchwandern und schauen, ob sie nicht ein Hemd finden könnten, wie es dem Könige Not tat. Die Männer zogen aus und gingen zuerst in die schönen volkreichen Städte, weil sie gedachten, dass sie da wohl am ehesten zu ihrem Zwecke kämen; aber vergebens war ihr Fragen von Haus zu Haus nach einem zufriedenen Menschen; dem einen gebrach dies, dem anderen das; so mochte sich keiner zufrieden nennen. Da sprachen die Männer untereinander: "Hier in der Stadt finden wir doch nimmer, wonach wir suchen; darum so wollen wir jetztunter auf das Land hinausgehen, da wird die Zufriedenheit wohl noch zu Hause sein", sprachen's, ließen die Stadt mit ihrem Gewühle hinter sich und gingen den Weg durch das wallende Korn dem Dorfe zu. Sie fragten von Haus zu Haus, von Hütte zu Hütte, sie gingen in das nächste Dorf und weiter von da, sie kehrten bei Armen und bei Reichen ein, aber keinen fanden sie, der ganz zufrieden war. Da kehrten die Männer traurig wieder um und begaben sich auf den Heimweg. Wie sie nun so in sorgenden Gedanken vertieft über eine Flur dahinwandelten, trafen sie auf einen Schweinehirten, der da gemächlich bei seiner Herde lag; indem so kam auch des Hirten Frau, trug auf ihren Armen ein Kind und brachte ihrem Manne das Morgenbrot. Der Hirt setzte sich vergnüglich zum Essen, verzehrte was ihm gebracht war, und nachdem so spielte er mit seinem Kinde. Das sahen die Männer des Königs mit Erstaunen, traten herzu und fragten den Mann: wie es käme, dass er so vergnügt wäre und hätte doch nur ein so geringes Auskommen. "Meine lieben Herren", sprach der Sauhirt, "das kommt daher, weil ich mit dem, was ich habe, zufrieden bin." Da freuten sich die Männer höchlich, dass sie endlich einen zufriedenen Menschen gefunden hatten, und erzählten ihm, in welcher Sache sie von dem Könige wären ausgesandt worden, und baten ihn, dass er ihnen möchte für Geld und gute Worte ein Hemd von seinem Leibe geben. Der Sauhirt lächelte und sprach: "So gern ich Euch, meine lieben Herren, in Eurem Anliegen möchte zu Willen sein, so ist es mir doch nicht möglich; denn Zufriedenheit habe ich wohl, aber kein Hemd am Leibe." Als das die Männer vernahmen, erschraken sie und gaben nun ganz die Hoffnung auf, ein Hemd zu finden, wie es dem Könige Not tat. Betrübt und mit gesenkten Blicken traten sie wieder vor ihren Herrn und berichteten ihm, wie all ihr Suchen und Fragen sei vergeblich gewesen; sie hätten manchen gefunden, der wohl ein Hemd gehabt hätte, aber keine Zufriedenheit, und endlich hätten sie einen angetroffen, der wäre freilich zufrieden gewesen, aber leider hätte er kein Hemd gehabt.
So musste denn der König seine Sorgen ferner tragen und voll Unruhe oft nächtelang auf seinem Bette liegen, ohne dass Schlaf in seine Augen kam, und konnte ihm nicht geholfen werden.
(Wilhelm Busch)

Quelle: http://www.zeno.org/ - Zenodot Verlagsgesellschaft mbH


Beim Lesen dieses Märchens fiel mir spontan die Werbung für Merz Spezialdragees ein: "Natürliche Schönheit kommt von innen".
Zufriedenen Menschen haben die Gelassenheit, alles das hinzunehmen, was nicht zu ändern ist, die Kraft zu ändern, was nicht länger zu ertragen ist und die Weisheit das eine vom anderen zu unterscheiden.
Zufriedenheit kennt ihren Wert. Dies ist meine feste Überzeugung.

Sonntag, 27. Dezember 2009

Vorschlag für größtmögliche Sicherheit beim Fliegen

Alle Passagiere sowie das Flugpersonal haben nackt zu sein. Handgepäck wird abgeschafft. Prothesen aller Art einschließlich künstliche Gebisse, Hörgeräte, Sehhilfen, Glasaugen sind beim Einchecken abzugeben, und dürfen unter keinen Umständen mit ins Flugzeug genommen werden.

So oder so ähnlich könnte es in Zukunft aussehen, wenn die Sicherheitsvorschriften im Flugverkehr weiter derart verschärft werden. Da bekomme ich wahre Horrorvorstellungen. Nackte, bierbäuchige Mitfünfziger im Bumsbomber nach Thailand. Verschwitzte, pickelige Jünglinge im Jet nach Malle. Zahnlose, halbblinde Greise mit Schnabeltasse auf dem Flug nach Nirgendwo.
Schöne Aussichten.

Donnerstag, 24. Dezember 2009

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Annchen schreibt:

Liebes, gutes Christkindlein,
ich bin zwar noch dumm und klein,
aber viele schöne Gaben
möcht' ich doch zu Weihnacht haben.
Einen Kochherd, Töpfe auch,
Kessel, Pfannen, wie's so Brauch,

Teller, Löffel, Gabeln, Messer,
Schüsseln dann, je mehr, je besser,
Gläser, Flaschen allerlei
und ein Tischtuch auch dabei.
Eine Puppe, aber eine
schöne, elegante, feine,

Die auch läuft und nickt und spricht,
eine andre möcht' ich nicht -
Schlittschuh', Bücher, Hefte, Federn,
eine Schultasch', schön rot ledern,
Pelzkapp' auch und Muff dazu,
gelbe Strümpfe, gelbe Schuh'.
Liebigbilder, Ansichtskarten,
seltne Marken aller Arten.
Weiter gar nichts - wart mal - doch!
Auch ein neues Kleidchen noch
schenke mir vor allen Dingen, -
Elschen magst du's alte bringen!

(Henny Koch)

Allen ein frohes Weihnachtsfest

Montag, 21. Dezember 2009

Der Schlüssel zum Leben

Die Vergangenheit ist nur eine Erinnerung und die Zukunft ist Phantasie.
Leben findet ausschließlich in der Gegenwart statt.

Samstag, 19. Dezember 2009

Nur geträumt?

Mir träumte heute Nacht, die Erde hat sich geschüttelt und die Menschheit vernichtet. Sie war es leid, sich das Gezänke dieser Spezies noch länger anzuhören und Kopenhagen gab ihr den Rest. Wutentbrannt ließ sie ihrem Zorn freien Lauf. Aus ihrem Innersten ertönte ein furchtbarer Schrei und erschöpft besah sie ihr Werk. Trauer überkam sie, denn sie hatte ihre Schöpfungen geliebt. All die herrlichen Pflanzen und Tiere. Nur das Tier Mensch bereitete ihr Kummer, lies sich einfach nicht belehren. Wollte mehr und immer mehr. Dachte, es könnte der Mutter befehlen und sich über sie stellen. Das Tier Mensch hatte vergessen zu lieben. Tötete und quälte alles, was ihm in die Quere kam, selbst vor seinen Artgenossen machte es nicht halt. Mit einem tiefen Seufzer schüttelte sie ihre Trauer ab. Sofort erstrahlte die Erde ganz hell, es wurde heimelig warm und dann sprach sie die Worte: "Gut, dann fang ich eben noch einmal neu an" - und der Traum war aus.

Freitag, 18. Dezember 2009

Toi toi toi

Hurra hurra, Robertos Erstlingswerk ist da.
Alle die Robertos Texte kennen,
sehe ich in den nächsten Buchladen rennen.
Der Renneritz-Verlag hat es verlegt.

Viel Glück und Erfolg

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Der beinlose Fuchs und der Tiger

Vor langer Zeit, da sah ein Mann im Wald einen Fuchs, der alle vier Beine verloren hatte. Und er wunderte sich, dass das Tier, das keine Beute mehr jagen konnte, noch lebte. Doch dann erblickte er einen Tiger, der Wild gerissen hatte. Nachdem er sich sattgefressen hatte, überließ er den Rest seiner Beute dem beinlosen Fuchs. Anderntags ernährte Gott den Fuchs abermals mit Hilfe des Tigers. Der Mann war erstaunt über die Güte und Sorge Gottes gegenüber dem beinlosen Fuchs. Bei sich sagte er: "Auch ich werde mich in einer gemütlichen Ecke ausruhen und den Herrn für mich sorgen lassen. Wenn ich nur Vertrauen habe, wird er mir schon das Nötige geben." Viele Tage vergingen, aber es geschah nichts und der Mann saß immer noch in seiner Ecke. Er war dem Hungertod nahe. Da vernahm er eine Stimme: "Du bist auf dem falschen Weg. Folge dem Beispiel des Tigers und nimm dir nicht den behinderten Fuchs zum Vorbild!"
Später traf der Mann auf der Straße ein kleines frierendes Mädchen. Sie zitterte in ihrem dünnen Kleid und hatte schon lange nichts mehr zu essen bekommen. Da wurde er zornig und beklagte sich bei Gott: "Wie kannst du das zulassen? Den Fuchs erhältst du am Leben, aber dieses kleine Mädchen läßt du hungern und frieren. Warum tust du nichts dagegen?"
Eine Weile sagte Gott nichts. Doch in der Nacht antwortete Gott dem Mann: "Ich habe etwas dagegen unternommen, ich habe dich geschaffen!"

(Nach einer arabischen Legende!)

Wäre die Welt ein freundlicherer Ort, wenn die Menschen mehr Märchen lesen würden?

Montag, 14. Dezember 2009

Mutterliebe im Zeichen des Neoliberalismus?

Neulich erzählte mir meine Freundin eine unglaubliche Geschichte.
Sie arbeitet in einem bekannten Elektronikmarkt, und kurz vor Ladenschluss machte sie mit einem Kollegen die Runde, um sicherzustellen, dass nicht versehentlich Kunden eingeschlossen wurden. Bei ihrer Runde hörten sie eilige, leise Schritte. Im Lagerraum entdeckten sie dann einen kleinen Jungen, ca. drei bis vier Jahre alt. Er war nicht sonderlich ängstlich und nannte Namen und Adresse. Der Kollege meiner Freundin informierte die Mutter per Telefon, dass ihr Sohn bei ihnen abzuholen sei. Entrüstet fragte die Mutter, ob sie ihn denn wirklich selber abholen müsse, sie wäre doch schon zu Hause. Als Reaktion bekam sie die Antwort, "Wir können ihn auch zur Adoption frei geben." Der Kollege meiner Freundin war sehr wütend ob solcher Dreistigkeit. Mit grimmiger Miene und den kleinen Jungen scheltend, holte sie dann ihren Nachwuchs ab.

Selbst habe ich keine Kinder, kann mir jedoch solches Verhalten nicht erklären. Sind dies die Segnungen des gesellschaftlichen Fortschritts?

Sonntag, 13. Dezember 2009

Das ohnmächtige Zwiegespräch

Der Chronist spricht:

Zur Macht gelangt nur, wer die Macht begehrt.
Ihm winkt sie zu. Ihm gibt sie dunkle Zeichen.
Und ihm befiehlt sie, eh sie ihm gehört:
"Stell unser Bett auf einen Berg von Leichen!"
Die Macht liebt den, der sie entehrt.
Denn sie ist eine Hure ohnegleichen.
Sie liebt die Mörder, und schläft mit Dieben.
Schaut in die Bücher! Dort steht's aufgeschrieben"

Und dann blickt hoch und von den Büchern fort!
Die alte Hure ist sich treu geblieben.
Noch immer liebt sie Gaunerei und Mord
und schläft wie einst mit Räubern und mit Dieben.
Sie beugt das Recht. Sie bricht ihr Wort.
Und immer gibt es Männer, die das lieben.
Das heilige Gesetz, nach dem sie leben.
ist alt und heißt: Wer hat, dem wird gegeben.

Seht ihr die Wolke, die am Himmel schwimmt?
Dahinter, sagt man, würden Engel schweben,
und alles, was man euch auf Erden nimmt,
das würde man euch droben wiedergeben.
Die Mächtigen beschwören, dass es stimmt.
Drum nehmt euch, eh man es euch nimmt, das
Leben!
Vielleicht könnt ihr zu guter Letzt als Leichen,
was euch als Lebenden misslang, erreichen.

Der Fragesteller meint:

Willst du diesen Spott nicht lassen?
Wickle dich nicht in Geduld.
Seine Gegner soll man hassen!
Ihr seid alt und habt die Schuld.

Weshalb ließt ihr denn den Tröpfen
und den Räubern die Gewalt?
Ihr mit euren Denkerköpfen,
ihr seid schuld. Nun seid ihr alt.

Wer nur redet und nicht handelt,
redet dumm und handelt schlecht.
Erst wenn ihr die Welt verwandelt,
seid ihr klug und habt ihr recht.

Wir sind jung und wollen wissen:
Weshalb habt ihr denn die Macht
nicht und nie an euch gerissen
und die Läuterung vollbracht?

Standet ihr denn stets daneben?
Habt ihr weiter nichts erreicht
als ein ziemlich langes Leben
und den Bart, den ihr euch streicht?

Der Chronist entgegnet:

Du willst die Dummheit stützen und dem Geist
die Macht, obwohl er sie nicht mag, verleihen?
Du willst, dass man der Macht die Macht entreißt?
Die Welt von der Gewalt befreien, heißt,
die Welt von den Gewaltigen befreien!

Drum jage dein Gewissen fort.
Es kann das Schießen nicht vertragen.
Du liebst die Menschen bis zum Mord?
Wirf dein Gewissen über Bord.
Ich weiß Bescheid und darf das sagen.

Du willst versuchen, was wir längst versuchten.
Es war uns nicht genug, dass wir die Macht
und ihre Kerle kunstgerecht verfluchten
und im Register unsrer Zeit verbuchten.
Wir wollten mehr. Wir haben mehr vollbracht.

Im Jahre 1940 waren
die Herrn der Erde wieder mal soweit.
Sie litten an zu vielen Friedensjahren.
zogen die Völker heftig an den Haaren
und brauchten wieder eine große Zeit.

Man ließ verschiedne Gegensätze klaffen,
weil so ein Schlachtfest Gründe haben muss.
Man gab den Völkern die modernsten Waffen,
ließ beides an die Landesgrenzen schaffen,
und etwas später fiel der erste Schuss.

Er traf, in Rom, den englischen Gesandten.
Der zweite Schuss traf Frankreichs Feldmarschall.
Der dritten traf den spanischen Infanten.
Es starben auch sechs Waffenlieferanten.
Man hörte die nun Schüssen überall.

Die Herrn der Erde stotterten Befehle.
Die Völker sahn sich unentschlossen an
und wollten sich noch immer an die Kehle.
Da fielen zweiundzwanzig Generäle!
Der Krieg war aus, bevor der Krieg begann.

Die Völker ließen ihre Waffen liegen.
Sie fuhren heim und waren wieder frei.
Das war der kürzeste von allen Kriegen.
Zweihundert Männer, mutig und verschwiegen,
gewannen ihn. Und ich war auch dabei.

Zweihundert Mann hatten die Krieg verboten.
Und sie bezahlten, wie sich das gehört.
Sie zahlten bar, mit dreiundachtzig Toten.
Die andern sind gesund zurückgekehrt ...

Der Fragesteller fragt:

Das war der Krieg, den ihr gewannt.
Mehr war euch leider nicht beschieden.
Das war ein Krieg, den ihr gewannt.
Warum gewannt ihr nicht den Frieden?

Der Chronist antwortet:

Weil die Vernunft nicht allzuoft gewinnt!
Denn auch die Menschheit folgt Naturgesetzen.
Und ich befürchte, dass sie ewig sind.
Wer sie verbessern will, muss sie verletzen.

Man darf die Völker ins Verderben hetzen,
weil das den Regeln ihrer Welt entspricht.
Doch sich der Bosheit hilfreich widersetzen,
das darf man nicht!

Der Krieg war aus. Wir waren nichts mehr wert.
Wir hatten viel getan und nichts verwandelt.
Die Macht liebt den, der sie entehrt.
Und auch der Mensch liebt den, der ihn mißhandelt.

Der Fragestellen behauptet:

Was euch mißlang, wird uns gelingen.
Das Ziel, das wir erreichen werden, heißt:
Die Welt zu ihrem Glßck zu zwingen!

Was sollen denn die Güte und der Geist,
wenn sich ihr Wesen nur an denen,
die selber gut und weise sind, erweist?

Das Glück der Welt, das wir so sehr ersehnen,
wird durch die Sehnsucht nicht erreicht.
Das Glück der Menscheit kostet Blut und Tränen!

Der Chronist resümiert:

Du liebst die Menschen nicht. Du hast es leicht.

Erich Kästner, aus: "Gesang zwischen den Stühlen"

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Ein anderer Blick auf den Klimawandel

Vieles höre und lese ich dieser Tage über Klimawandel. Das meiste davon ist Panikmache und Aktionismus. Da tut es doch richtig gut den einen oder anderen Artikel zu finden, der das Thema mal aus einer anderen Richtung beleuchtet.
Ich sehe die Problematik ähnlich. Klimaschutz kann nur in Verbindung mit dem Wohl aller Menschen funktionieren.

Nachtrag
Leider funktioniert der erste Link nicht. Artikel im selben Blog wie der zweite Link "Ist es Dummheit oder Schlauheit?

Dienstag, 8. Dezember 2009

Unterricht

Jeder der geht
belehrt uns ein wenig
über uns selber.
Kostbarster Unterricht
an den Sterbebetten.
Alle Spiegel so klar
wie ein See nach großem Regen,
ehe der dunstige Tag
die Bilder wieder verwischt.

Nur einmal sterben sie für uns,
nie wieder.
Was wüssten wir je
ohne sie?
Ohne die sicheren Waagen
auf die wir gelegt sind
wenn wir verlassen werden.
Diese Waagen ohne die nichts
sein Gewicht hat.

Wir, deren Worte sich verfehlen,
wir vergessen es.
Und sie?
Sie können die Lehre
nicht wiederholen.

Dein Tod oder meiner
der nächste Unterricht:
so hell, so deutlich,
dass es gleich dunkel wird.
Hilde Domin

Für Kurt aka Roger Beathacker

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Hüterin des Wissens

Gehetzt blickte er um sich. Er brauchte dringend ein Versteck, denn die Meute war dicht hinter ihm. In letzter Sekunde sah er ein kleines Mäuerchen links neben sich. Ohne zu überlegen, sprang er drüber und ... fiel ins Bodenlose.
Der Schreck fuhr ihm in die Glieder, aber der erwartete Aufprall blieb aus. Stattdessen landete er sacht auf irgendetwas Weichem.
"Geht es dir gut? Hast du dich verletzt?" Verwundert schaute er sich um und sah, dass er auf einer Schildkröte saß, inmitten einer herrlich duftenden Wiese.
Bevor er einen klaren Gedanken fassen konnte, fuhr die Schildkröte fort: "Du hast mich aber lange warten lassen! Wenn ich nicht so geduldig wäre, wäre ich schon lange nicht mehr hier, um dich aufzufangen. Ich weiß nicht, ob du deinen unvorsichtigen Sprung überlebt hättest. Nun ja - immer begibst du dich in Gefahr, ohne den Verstand einzuschalten." Bedächtig schüttelte sie ihren Kopf.
"Willst du nicht von mir runter steigen und dich neben mich setzen?"
"Oh, natürlich, Entschuldigung", stammelte er und sprang ins Gras.
"Wo bin ich?" fragte er, "und seit wann können Schildkröten sprechen?"
"In NUERTRAEV können alle Wesen sprechen", antwortete die Schildkröte und beobachtete ihn dabei aufmerksam.
"NUERTRAEV", wiederholte er und hatte auf einmal das Gefühl, als hätte er etwas gefunden, was er vor langer, langer Zeit verloren hatte. Er sah der Schildkröte direkt in die Augen und fühlte ein sonderbares Kribbeln im linken großen Zeh, welches sich in Windeseile in seinem ganzen Körper ausbreitete, so als würde er unter Strom stehen.
NUERTRAEV, klang es in ihm ...

Als er erwachte, fühlte er sich ausgeruht wie lange nicht mehr. Er stand auf, ging zum Fenster, öffnete es, machte seine Morgengymnastik und verschwand danach im Bad.
Eine Stunde später saß er in einem Café und frühstückte ausgiebig. Sein Blick fiel auf die Zeitungen, die rechts neben ihm an der Wand in Zeitungshaltern geklemmt hingen.
"Korruption im Gesundheitswesen", "Kinderarmut steigt weiter an", "Tausende Arbeitsplätze gefährdet", "Mann erschießt seine Familie und sich selbst".
Verständnislos schüttelte er den Kopf, trank seinen Kaffee aus, bezahlte und verließ das Café.
Da er nicht so recht wusste, was er heute unternehmen wollte, ging er in den kleinen Park an der nächsten Straßenecke. Voller Dankbarkeit dachte er an seine Eltern, die ihm ein kleines Vermögen hinterlassen hatten, welches ihm ermöglichte, sein Leben so zu gestalten, wie er es für richtig hielt. Unweit des Teiches, in der Mitte des Parks, fand er eine Bank, setzte sich und sah dem Treiben der Enten und Schwäne zu.
"Schau Mama, da sind Enten und Schwäne", hörte er ein kleines Mädchen sagen.
"Jaja, komm jetzt! Wir haben keine Zeit! Wir müssen deinen Bruder aus der Krippe abholen, sonst kriegen wir wieder Ärger."
Sie hastete an ihm vorbei und zog die Kleine hinter sich her. Sein Gruß verhallte unerwidert.
"Was ist das bloß für eine Welt, in der wir heute leben?", fragte er sich. Keiner schien mehr Zeit zu haben. Alle seine Freunde hatte er im Laufe der Jahre an diese Unsitte verloren. Jeder glaubte, die Zeit liefe ihm davon ...
Aufgeregtes Geschnatter riss ihn aus seinen trüben Gedanken. Er sah zum Teich hin. Die Enten und Schwäne sahen alle in seine Richtung und er hatte das Gefühl, als riefen sie ihm etwas zu.
"Sprechende Tiere? So ein Blödsinn!", murmelte er und schüttelte den Kopf. Er wollte aufstehen, um weiterzugehen, da kam ihm NUERTRAEV in den Sinn. Zugleich spürte er ein sonderbares Kribbeln im rechten großen Zeh.

Er sah in die Augen einer Schildkröte.
"Es ist die Angst, die deine Welt so verändert hat."

Mittwoch, 2. Dezember 2009

Supermarkt

Heute im Angebot: "Vorurteils-Pflanzenmargarine".

Außerdem besonders günstig
ein Posten Luxusseife "Selbstsucht".
Ein großes Stück für Sie.

Unsere ständigen Preisknüller:

1 A Whisky, 12 years old,
Marke "Gleichgültigkeit".

Das große Schimpfwörter-Buch
und unser Bestseller "Intrigen - leicht gemacht".
Beide Publikationen ab 6 Jahre.

500-g-Beutel Nudeln "Eine wie die andere".
Superb von der Firma Gebrüder A. N. Gepaßt.

Restposten von Freiheit, Liebe,
Verständnis, Toleranz finden Sie
am Grabbeltisch.

Entnommen aus: "Farbe will ich, nicht Schwarzweiss"
Verschenk-Texte von Kristiane Allert-Wybranietz