Donnerstag, 31. Dezember 2009

Jahresmenue

Man nehme:

12 Monate, putze sie sauber von Bitterkeit, Geiz, Pedanterie und Angst
zerlege jeden Monat in 30 oder 31 Teile, so dass der Vorrat genau für ein Jahr reicht.

Es wird jeder Tag einzeln angerichtet aus:
1 Teil Arbeit und 2 Teilen Frohsinn und Humor.
Man füge 3 gehäufte Esslöffel Optimismus hinzu,
1 Teelöffel Tolleranz,
1 Körnchen Ironie
und 1 Prise Takt.

Dann wird die Masse mit sehr viel Liebe übergossen. Das fertige Gericht schmücke man mit Sträußchen keiner Aufmerksamkeiten und serviere es täglich mit Heiterkeit und einer guten erquickenden Tasse Tee...

Katharina Elisabeth Goethe (1731-1808)

Allen die Gefallen an diesem Gericht finden ein gutes Gelingen.

Mittwoch, 30. Dezember 2009

Das Hemd der Zufriedenheit

Es war einmal ein reicher König, dem machte das Regieren so viele Sorgen, dass er darum nicht schlafen konnte die ganze Nacht. Das ward ihm zuletzt so unerträglich, dass er seine Räte zusammenberief und ihnen sein Leid klagte. Es war aber darunter ein alter erfahrener Mann, der erhob sich, da er vernommen hatte, wie es um den König stand, von seinem Stuhle und sprach: "Es gibt nur ein Mittel, dass wieder Schlaf in des Königs Augen kommt, aber es wird schwer zu erlangen sein; so nämlich dem Könige das Hemd eines zufriedenen Menschen geschafft werden könnte und er das beständig auf seinem Leibe trüge, so halte ich dafür, dass ihm sicherlich geholfen wäre." Da das der König vernahm, beschloss er, dem Rate des klugen Mannes zu folgen und wählte eine Anzahl verständiger Männer, die sollten das Reich durchwandern und schauen, ob sie nicht ein Hemd finden könnten, wie es dem Könige Not tat. Die Männer zogen aus und gingen zuerst in die schönen volkreichen Städte, weil sie gedachten, dass sie da wohl am ehesten zu ihrem Zwecke kämen; aber vergebens war ihr Fragen von Haus zu Haus nach einem zufriedenen Menschen; dem einen gebrach dies, dem anderen das; so mochte sich keiner zufrieden nennen. Da sprachen die Männer untereinander: "Hier in der Stadt finden wir doch nimmer, wonach wir suchen; darum so wollen wir jetztunter auf das Land hinausgehen, da wird die Zufriedenheit wohl noch zu Hause sein", sprachen's, ließen die Stadt mit ihrem Gewühle hinter sich und gingen den Weg durch das wallende Korn dem Dorfe zu. Sie fragten von Haus zu Haus, von Hütte zu Hütte, sie gingen in das nächste Dorf und weiter von da, sie kehrten bei Armen und bei Reichen ein, aber keinen fanden sie, der ganz zufrieden war. Da kehrten die Männer traurig wieder um und begaben sich auf den Heimweg. Wie sie nun so in sorgenden Gedanken vertieft über eine Flur dahinwandelten, trafen sie auf einen Schweinehirten, der da gemächlich bei seiner Herde lag; indem so kam auch des Hirten Frau, trug auf ihren Armen ein Kind und brachte ihrem Manne das Morgenbrot. Der Hirt setzte sich vergnüglich zum Essen, verzehrte was ihm gebracht war, und nachdem so spielte er mit seinem Kinde. Das sahen die Männer des Königs mit Erstaunen, traten herzu und fragten den Mann: wie es käme, dass er so vergnügt wäre und hätte doch nur ein so geringes Auskommen. "Meine lieben Herren", sprach der Sauhirt, "das kommt daher, weil ich mit dem, was ich habe, zufrieden bin." Da freuten sich die Männer höchlich, dass sie endlich einen zufriedenen Menschen gefunden hatten, und erzählten ihm, in welcher Sache sie von dem Könige wären ausgesandt worden, und baten ihn, dass er ihnen möchte für Geld und gute Worte ein Hemd von seinem Leibe geben. Der Sauhirt lächelte und sprach: "So gern ich Euch, meine lieben Herren, in Eurem Anliegen möchte zu Willen sein, so ist es mir doch nicht möglich; denn Zufriedenheit habe ich wohl, aber kein Hemd am Leibe." Als das die Männer vernahmen, erschraken sie und gaben nun ganz die Hoffnung auf, ein Hemd zu finden, wie es dem Könige Not tat. Betrübt und mit gesenkten Blicken traten sie wieder vor ihren Herrn und berichteten ihm, wie all ihr Suchen und Fragen sei vergeblich gewesen; sie hätten manchen gefunden, der wohl ein Hemd gehabt hätte, aber keine Zufriedenheit, und endlich hätten sie einen angetroffen, der wäre freilich zufrieden gewesen, aber leider hätte er kein Hemd gehabt.
So musste denn der König seine Sorgen ferner tragen und voll Unruhe oft nächtelang auf seinem Bette liegen, ohne dass Schlaf in seine Augen kam, und konnte ihm nicht geholfen werden.
(Wilhelm Busch)

Quelle: http://www.zeno.org/ - Zenodot Verlagsgesellschaft mbH


Beim Lesen dieses Märchens fiel mir spontan die Werbung für Merz Spezialdragees ein: "Natürliche Schönheit kommt von innen".
Zufriedenen Menschen haben die Gelassenheit, alles das hinzunehmen, was nicht zu ändern ist, die Kraft zu ändern, was nicht länger zu ertragen ist und die Weisheit das eine vom anderen zu unterscheiden.
Zufriedenheit kennt ihren Wert. Dies ist meine feste Überzeugung.

Sonntag, 27. Dezember 2009

Vorschlag für größtmögliche Sicherheit beim Fliegen

Alle Passagiere sowie das Flugpersonal haben nackt zu sein. Handgepäck wird abgeschafft. Prothesen aller Art einschließlich künstliche Gebisse, Hörgeräte, Sehhilfen, Glasaugen sind beim Einchecken abzugeben, und dürfen unter keinen Umständen mit ins Flugzeug genommen werden.

So oder so ähnlich könnte es in Zukunft aussehen, wenn die Sicherheitsvorschriften im Flugverkehr weiter derart verschärft werden. Da bekomme ich wahre Horrorvorstellungen. Nackte, bierbäuchige Mitfünfziger im Bumsbomber nach Thailand. Verschwitzte, pickelige Jünglinge im Jet nach Malle. Zahnlose, halbblinde Greise mit Schnabeltasse auf dem Flug nach Nirgendwo.
Schöne Aussichten.

Donnerstag, 24. Dezember 2009

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Annchen schreibt:

Liebes, gutes Christkindlein,
ich bin zwar noch dumm und klein,
aber viele schöne Gaben
möcht' ich doch zu Weihnacht haben.
Einen Kochherd, Töpfe auch,
Kessel, Pfannen, wie's so Brauch,

Teller, Löffel, Gabeln, Messer,
Schüsseln dann, je mehr, je besser,
Gläser, Flaschen allerlei
und ein Tischtuch auch dabei.
Eine Puppe, aber eine
schöne, elegante, feine,

Die auch läuft und nickt und spricht,
eine andre möcht' ich nicht -
Schlittschuh', Bücher, Hefte, Federn,
eine Schultasch', schön rot ledern,
Pelzkapp' auch und Muff dazu,
gelbe Strümpfe, gelbe Schuh'.
Liebigbilder, Ansichtskarten,
seltne Marken aller Arten.
Weiter gar nichts - wart mal - doch!
Auch ein neues Kleidchen noch
schenke mir vor allen Dingen, -
Elschen magst du's alte bringen!

(Henny Koch)

Allen ein frohes Weihnachtsfest

Montag, 21. Dezember 2009

Der Schlüssel zum Leben

Die Vergangenheit ist nur eine Erinnerung und die Zukunft ist Phantasie.
Leben findet ausschließlich in der Gegenwart statt.

Samstag, 19. Dezember 2009

Nur geträumt?

Mir träumte heute Nacht, die Erde hat sich geschüttelt und die Menschheit vernichtet. Sie war es leid, sich das Gezänke dieser Spezies noch länger anzuhören und Kopenhagen gab ihr den Rest. Wutentbrannt ließ sie ihrem Zorn freien Lauf. Aus ihrem Innersten ertönte ein furchtbarer Schrei und erschöpft besah sie ihr Werk. Trauer überkam sie, denn sie hatte ihre Schöpfungen geliebt. All die herrlichen Pflanzen und Tiere. Nur das Tier Mensch bereitete ihr Kummer, lies sich einfach nicht belehren. Wollte mehr und immer mehr. Dachte, es könnte der Mutter befehlen und sich über sie stellen. Das Tier Mensch hatte vergessen zu lieben. Tötete und quälte alles, was ihm in die Quere kam, selbst vor seinen Artgenossen machte es nicht halt. Mit einem tiefen Seufzer schüttelte sie ihre Trauer ab. Sofort erstrahlte die Erde ganz hell, es wurde heimelig warm und dann sprach sie die Worte: "Gut, dann fang ich eben noch einmal neu an" - und der Traum war aus.

Freitag, 18. Dezember 2009

Toi toi toi

Hurra hurra, Robertos Erstlingswerk ist da.
Alle die Robertos Texte kennen,
sehe ich in den nächsten Buchladen rennen.
Der Renneritz-Verlag hat es verlegt.

Viel Glück und Erfolg

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Der beinlose Fuchs und der Tiger

Vor langer Zeit, da sah ein Mann im Wald einen Fuchs, der alle vier Beine verloren hatte. Und er wunderte sich, dass das Tier, das keine Beute mehr jagen konnte, noch lebte. Doch dann erblickte er einen Tiger, der Wild gerissen hatte. Nachdem er sich sattgefressen hatte, überließ er den Rest seiner Beute dem beinlosen Fuchs. Anderntags ernährte Gott den Fuchs abermals mit Hilfe des Tigers. Der Mann war erstaunt über die Güte und Sorge Gottes gegenüber dem beinlosen Fuchs. Bei sich sagte er: "Auch ich werde mich in einer gemütlichen Ecke ausruhen und den Herrn für mich sorgen lassen. Wenn ich nur Vertrauen habe, wird er mir schon das Nötige geben." Viele Tage vergingen, aber es geschah nichts und der Mann saß immer noch in seiner Ecke. Er war dem Hungertod nahe. Da vernahm er eine Stimme: "Du bist auf dem falschen Weg. Folge dem Beispiel des Tigers und nimm dir nicht den behinderten Fuchs zum Vorbild!"
Später traf der Mann auf der Straße ein kleines frierendes Mädchen. Sie zitterte in ihrem dünnen Kleid und hatte schon lange nichts mehr zu essen bekommen. Da wurde er zornig und beklagte sich bei Gott: "Wie kannst du das zulassen? Den Fuchs erhältst du am Leben, aber dieses kleine Mädchen läßt du hungern und frieren. Warum tust du nichts dagegen?"
Eine Weile sagte Gott nichts. Doch in der Nacht antwortete Gott dem Mann: "Ich habe etwas dagegen unternommen, ich habe dich geschaffen!"

(Nach einer arabischen Legende!)

Wäre die Welt ein freundlicherer Ort, wenn die Menschen mehr Märchen lesen würden?

Montag, 14. Dezember 2009

Mutterliebe im Zeichen des Neoliberalismus?

Neulich erzählte mir meine Freundin eine unglaubliche Geschichte.
Sie arbeitet in einem bekannten Elektronikmarkt, und kurz vor Ladenschluss machte sie mit einem Kollegen die Runde, um sicherzustellen, dass nicht versehentlich Kunden eingeschlossen wurden. Bei ihrer Runde hörten sie eilige, leise Schritte. Im Lagerraum entdeckten sie dann einen kleinen Jungen, ca. drei bis vier Jahre alt. Er war nicht sonderlich ängstlich und nannte Namen und Adresse. Der Kollege meiner Freundin informierte die Mutter per Telefon, dass ihr Sohn bei ihnen abzuholen sei. Entrüstet fragte die Mutter, ob sie ihn denn wirklich selber abholen müsse, sie wäre doch schon zu Hause. Als Reaktion bekam sie die Antwort, "Wir können ihn auch zur Adoption frei geben." Der Kollege meiner Freundin war sehr wütend ob solcher Dreistigkeit. Mit grimmiger Miene und den kleinen Jungen scheltend, holte sie dann ihren Nachwuchs ab.

Selbst habe ich keine Kinder, kann mir jedoch solches Verhalten nicht erklären. Sind dies die Segnungen des gesellschaftlichen Fortschritts?

Sonntag, 13. Dezember 2009

Das ohnmächtige Zwiegespräch

Der Chronist spricht:

Zur Macht gelangt nur, wer die Macht begehrt.
Ihm winkt sie zu. Ihm gibt sie dunkle Zeichen.
Und ihm befiehlt sie, eh sie ihm gehört:
"Stell unser Bett auf einen Berg von Leichen!"
Die Macht liebt den, der sie entehrt.
Denn sie ist eine Hure ohnegleichen.
Sie liebt die Mörder, und schläft mit Dieben.
Schaut in die Bücher! Dort steht's aufgeschrieben"

Und dann blickt hoch und von den Büchern fort!
Die alte Hure ist sich treu geblieben.
Noch immer liebt sie Gaunerei und Mord
und schläft wie einst mit Räubern und mit Dieben.
Sie beugt das Recht. Sie bricht ihr Wort.
Und immer gibt es Männer, die das lieben.
Das heilige Gesetz, nach dem sie leben.
ist alt und heißt: Wer hat, dem wird gegeben.

Seht ihr die Wolke, die am Himmel schwimmt?
Dahinter, sagt man, würden Engel schweben,
und alles, was man euch auf Erden nimmt,
das würde man euch droben wiedergeben.
Die Mächtigen beschwören, dass es stimmt.
Drum nehmt euch, eh man es euch nimmt, das
Leben!
Vielleicht könnt ihr zu guter Letzt als Leichen,
was euch als Lebenden misslang, erreichen.

Der Fragesteller meint:

Willst du diesen Spott nicht lassen?
Wickle dich nicht in Geduld.
Seine Gegner soll man hassen!
Ihr seid alt und habt die Schuld.

Weshalb ließt ihr denn den Tröpfen
und den Räubern die Gewalt?
Ihr mit euren Denkerköpfen,
ihr seid schuld. Nun seid ihr alt.

Wer nur redet und nicht handelt,
redet dumm und handelt schlecht.
Erst wenn ihr die Welt verwandelt,
seid ihr klug und habt ihr recht.

Wir sind jung und wollen wissen:
Weshalb habt ihr denn die Macht
nicht und nie an euch gerissen
und die Läuterung vollbracht?

Standet ihr denn stets daneben?
Habt ihr weiter nichts erreicht
als ein ziemlich langes Leben
und den Bart, den ihr euch streicht?

Der Chronist entgegnet:

Du willst die Dummheit stützen und dem Geist
die Macht, obwohl er sie nicht mag, verleihen?
Du willst, dass man der Macht die Macht entreißt?
Die Welt von der Gewalt befreien, heißt,
die Welt von den Gewaltigen befreien!

Drum jage dein Gewissen fort.
Es kann das Schießen nicht vertragen.
Du liebst die Menschen bis zum Mord?
Wirf dein Gewissen über Bord.
Ich weiß Bescheid und darf das sagen.

Du willst versuchen, was wir längst versuchten.
Es war uns nicht genug, dass wir die Macht
und ihre Kerle kunstgerecht verfluchten
und im Register unsrer Zeit verbuchten.
Wir wollten mehr. Wir haben mehr vollbracht.

Im Jahre 1940 waren
die Herrn der Erde wieder mal soweit.
Sie litten an zu vielen Friedensjahren.
zogen die Völker heftig an den Haaren
und brauchten wieder eine große Zeit.

Man ließ verschiedne Gegensätze klaffen,
weil so ein Schlachtfest Gründe haben muss.
Man gab den Völkern die modernsten Waffen,
ließ beides an die Landesgrenzen schaffen,
und etwas später fiel der erste Schuss.

Er traf, in Rom, den englischen Gesandten.
Der zweite Schuss traf Frankreichs Feldmarschall.
Der dritten traf den spanischen Infanten.
Es starben auch sechs Waffenlieferanten.
Man hörte die nun Schüssen überall.

Die Herrn der Erde stotterten Befehle.
Die Völker sahn sich unentschlossen an
und wollten sich noch immer an die Kehle.
Da fielen zweiundzwanzig Generäle!
Der Krieg war aus, bevor der Krieg begann.

Die Völker ließen ihre Waffen liegen.
Sie fuhren heim und waren wieder frei.
Das war der kürzeste von allen Kriegen.
Zweihundert Männer, mutig und verschwiegen,
gewannen ihn. Und ich war auch dabei.

Zweihundert Mann hatten die Krieg verboten.
Und sie bezahlten, wie sich das gehört.
Sie zahlten bar, mit dreiundachtzig Toten.
Die andern sind gesund zurückgekehrt ...

Der Fragesteller fragt:

Das war der Krieg, den ihr gewannt.
Mehr war euch leider nicht beschieden.
Das war ein Krieg, den ihr gewannt.
Warum gewannt ihr nicht den Frieden?

Der Chronist antwortet:

Weil die Vernunft nicht allzuoft gewinnt!
Denn auch die Menschheit folgt Naturgesetzen.
Und ich befürchte, dass sie ewig sind.
Wer sie verbessern will, muss sie verletzen.

Man darf die Völker ins Verderben hetzen,
weil das den Regeln ihrer Welt entspricht.
Doch sich der Bosheit hilfreich widersetzen,
das darf man nicht!

Der Krieg war aus. Wir waren nichts mehr wert.
Wir hatten viel getan und nichts verwandelt.
Die Macht liebt den, der sie entehrt.
Und auch der Mensch liebt den, der ihn mißhandelt.

Der Fragestellen behauptet:

Was euch mißlang, wird uns gelingen.
Das Ziel, das wir erreichen werden, heißt:
Die Welt zu ihrem Glßck zu zwingen!

Was sollen denn die Güte und der Geist,
wenn sich ihr Wesen nur an denen,
die selber gut und weise sind, erweist?

Das Glück der Welt, das wir so sehr ersehnen,
wird durch die Sehnsucht nicht erreicht.
Das Glück der Menscheit kostet Blut und Tränen!

Der Chronist resümiert:

Du liebst die Menschen nicht. Du hast es leicht.

Erich Kästner, aus: "Gesang zwischen den Stühlen"

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Ein anderer Blick auf den Klimawandel

Vieles höre und lese ich dieser Tage über Klimawandel. Das meiste davon ist Panikmache und Aktionismus. Da tut es doch richtig gut den einen oder anderen Artikel zu finden, der das Thema mal aus einer anderen Richtung beleuchtet.
Ich sehe die Problematik ähnlich. Klimaschutz kann nur in Verbindung mit dem Wohl aller Menschen funktionieren.

Nachtrag
Leider funktioniert der erste Link nicht. Artikel im selben Blog wie der zweite Link "Ist es Dummheit oder Schlauheit?

Dienstag, 8. Dezember 2009

Unterricht

Jeder der geht
belehrt uns ein wenig
über uns selber.
Kostbarster Unterricht
an den Sterbebetten.
Alle Spiegel so klar
wie ein See nach großem Regen,
ehe der dunstige Tag
die Bilder wieder verwischt.

Nur einmal sterben sie für uns,
nie wieder.
Was wüssten wir je
ohne sie?
Ohne die sicheren Waagen
auf die wir gelegt sind
wenn wir verlassen werden.
Diese Waagen ohne die nichts
sein Gewicht hat.

Wir, deren Worte sich verfehlen,
wir vergessen es.
Und sie?
Sie können die Lehre
nicht wiederholen.

Dein Tod oder meiner
der nächste Unterricht:
so hell, so deutlich,
dass es gleich dunkel wird.
Hilde Domin

Für Kurt aka Roger Beathacker

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Hüterin des Wissens

Gehetzt blickte er um sich. Er brauchte dringend ein Versteck, denn die Meute war dicht hinter ihm. In letzter Sekunde sah er ein kleines Mäuerchen links neben sich. Ohne zu überlegen, sprang er drüber und ... fiel ins Bodenlose.
Der Schreck fuhr ihm in die Glieder, aber der erwartete Aufprall blieb aus. Stattdessen landete er sacht auf irgendetwas Weichem.
"Geht es dir gut? Hast du dich verletzt?" Verwundert schaute er sich um und sah, dass er auf einer Schildkröte saß, inmitten einer herrlich duftenden Wiese.
Bevor er einen klaren Gedanken fassen konnte, fuhr die Schildkröte fort: "Du hast mich aber lange warten lassen! Wenn ich nicht so geduldig wäre, wäre ich schon lange nicht mehr hier, um dich aufzufangen. Ich weiß nicht, ob du deinen unvorsichtigen Sprung überlebt hättest. Nun ja - immer begibst du dich in Gefahr, ohne den Verstand einzuschalten." Bedächtig schüttelte sie ihren Kopf.
"Willst du nicht von mir runter steigen und dich neben mich setzen?"
"Oh, natürlich, Entschuldigung", stammelte er und sprang ins Gras.
"Wo bin ich?" fragte er, "und seit wann können Schildkröten sprechen?"
"In NUERTRAEV können alle Wesen sprechen", antwortete die Schildkröte und beobachtete ihn dabei aufmerksam.
"NUERTRAEV", wiederholte er und hatte auf einmal das Gefühl, als hätte er etwas gefunden, was er vor langer, langer Zeit verloren hatte. Er sah der Schildkröte direkt in die Augen und fühlte ein sonderbares Kribbeln im linken großen Zeh, welches sich in Windeseile in seinem ganzen Körper ausbreitete, so als würde er unter Strom stehen.
NUERTRAEV, klang es in ihm ...

Als er erwachte, fühlte er sich ausgeruht wie lange nicht mehr. Er stand auf, ging zum Fenster, öffnete es, machte seine Morgengymnastik und verschwand danach im Bad.
Eine Stunde später saß er in einem Café und frühstückte ausgiebig. Sein Blick fiel auf die Zeitungen, die rechts neben ihm an der Wand in Zeitungshaltern geklemmt hingen.
"Korruption im Gesundheitswesen", "Kinderarmut steigt weiter an", "Tausende Arbeitsplätze gefährdet", "Mann erschießt seine Familie und sich selbst".
Verständnislos schüttelte er den Kopf, trank seinen Kaffee aus, bezahlte und verließ das Café.
Da er nicht so recht wusste, was er heute unternehmen wollte, ging er in den kleinen Park an der nächsten Straßenecke. Voller Dankbarkeit dachte er an seine Eltern, die ihm ein kleines Vermögen hinterlassen hatten, welches ihm ermöglichte, sein Leben so zu gestalten, wie er es für richtig hielt. Unweit des Teiches, in der Mitte des Parks, fand er eine Bank, setzte sich und sah dem Treiben der Enten und Schwäne zu.
"Schau Mama, da sind Enten und Schwäne", hörte er ein kleines Mädchen sagen.
"Jaja, komm jetzt! Wir haben keine Zeit! Wir müssen deinen Bruder aus der Krippe abholen, sonst kriegen wir wieder Ärger."
Sie hastete an ihm vorbei und zog die Kleine hinter sich her. Sein Gruß verhallte unerwidert.
"Was ist das bloß für eine Welt, in der wir heute leben?", fragte er sich. Keiner schien mehr Zeit zu haben. Alle seine Freunde hatte er im Laufe der Jahre an diese Unsitte verloren. Jeder glaubte, die Zeit liefe ihm davon ...
Aufgeregtes Geschnatter riss ihn aus seinen trüben Gedanken. Er sah zum Teich hin. Die Enten und Schwäne sahen alle in seine Richtung und er hatte das Gefühl, als riefen sie ihm etwas zu.
"Sprechende Tiere? So ein Blödsinn!", murmelte er und schüttelte den Kopf. Er wollte aufstehen, um weiterzugehen, da kam ihm NUERTRAEV in den Sinn. Zugleich spürte er ein sonderbares Kribbeln im rechten großen Zeh.

Er sah in die Augen einer Schildkröte.
"Es ist die Angst, die deine Welt so verändert hat."

Mittwoch, 2. Dezember 2009

Supermarkt

Heute im Angebot: "Vorurteils-Pflanzenmargarine".

Außerdem besonders günstig
ein Posten Luxusseife "Selbstsucht".
Ein großes Stück für Sie.

Unsere ständigen Preisknüller:

1 A Whisky, 12 years old,
Marke "Gleichgültigkeit".

Das große Schimpfwörter-Buch
und unser Bestseller "Intrigen - leicht gemacht".
Beide Publikationen ab 6 Jahre.

500-g-Beutel Nudeln "Eine wie die andere".
Superb von der Firma Gebrüder A. N. Gepaßt.

Restposten von Freiheit, Liebe,
Verständnis, Toleranz finden Sie
am Grabbeltisch.

Entnommen aus: "Farbe will ich, nicht Schwarzweiss"
Verschenk-Texte von Kristiane Allert-Wybranietz

Sonntag, 29. November 2009

Lob der Volksvertreter

Mann hält sie, wenn sie schweigen, für Gelehrte.
Nur ist das Schweigen gar nicht ihre Art.
Sie haben vor der Brust Apostelbärte
und auf den Eisenbahnen freie Fahrt.

Ihr seht sie eilends in den Reichstag schreiten.
Das Wohl des Volkes fördert ihren Gang.
Und würdet Ihr sie noch ein Stück begleiten,
dann merktet Ihr: sie gehn ins Restaurant.

Sie fürchten Spott, sonst nichts auf dieser Welt!
Und wenn sie etwas tun, dann sind es Fehler.
Es ist, zum Glück, nicht alles Hund, was bellt.
Sie fürchten nur die Wahl und nicht die Wähler.

Ihr Leben währet zirka siebzig Jahre,
und wenn es hochkommt -. Doch das tut es nie!
Das Volk steht auf vor jedem grauen Haare.
Das Volk steht immer auf! Das wissen sie.

Erich Kästner, aus "Lärm im Spiegel"

Samstag, 28. November 2009

Zeitgenossen, haufenweise

Es ist nicht leicht, sie ohne Haß zu schildern,
und ganz unmöglich geht es ohne Hohn.
Sie haben Köpfe wie auf Abziehbildern
und, wo das Herz sein müsste, Telefon.

Sie wissen ganz genau, dass Kreise rund sind
und Invalidenbeine nur aus Holz.
Sie sprechen fließend, und aus diesem Grund sind
sie Tag und Nacht - auch sonntags - auf sich stolz.

In ihren Händen wird aus allem Ware.
In ihrer Seele brennt elektrisch Licht.
Sie messen auch das Unberechenbare.
Was sich nicht zählen läßt, das gibt es nicht!

Sie haben am Gehirn enorme Schwielen,
fast als benutzten sie es als Gesäß.
Sie werden rot, wenn sie mit Kindern spielen.
Die Liebe treiben sie programmgemäß.

Sie singen nie (nicht einmal im August)
ein hübsches Weihnachtslied auf offner Straße.
Sie sind nie froh und haben immer Lust
und denken, wenn sie denken, durch die Nase.

Sie loben unermüdlich unsre Zeit,
ganz als erhielten sie von ihr Tantiemen.
Ihr Intellekt liegt meistens doppelt breit.
Sie können sich nur noch zum Scheine schämen.

Sie haben Witz und können ihn nicht halten.
Sie wissen vieles, was sie nicht verstehn.
Man muss sie sehen, wenn sie Haare spalten!
Es ist, um an den Wänden hochzugehn.

Man sollte kleine Löcher in sie schießen!
Ihr letzter Schrei ist fast ein dernier cri.
Jedoch sie haben viel zuviel Komplicen,
als dass sie sich von uns erschießen ließen.
Man trifft sie nie.

Erich Kästner, aus "Lärm im Spiegel"

Mittwoch, 25. November 2009

Rätsel

Wie jedes Jahr kommt Tante Sophie am ersten Advent zu Besuch - da freuen sich die vier Kinder. Sie wissen, dass die Tante die schönsten Plätzchen backt. Und spannend ist es auch, denn Sophie denkt sich immer Überraschungen aus.
Diesmal hat die Tante vierzig herrlich duftende Mandelkekse gebacken. Einen legt sie beiseite, den möchte sie selber haben. Die übrigen 39 gibt sie den Kindern. "Aber", sagt sie, "ihr müsst sie teilen, und zwar so, dass Peter die Hälfte bekommt, Klara ein Viertel, Klaus ein Achtel und Suse ein Zehntel. Nur: zerbrechen dürft ihr die Kekse nicht!"
Lächelnd verlässt Sophie den Raum.
Nach einer Weile hört sie ein fürchterliches Zanken und Schreien - die vier Kinder können sich nicht einigen. "Schon die Hälfte von 39, das geht ja gar nicht", maulen sie, "und wie soll man diese Anzahl vierteln, achteln oder zehnteln, ohne die Kekse zu zerbrechen!"
Tante Sophie konnte dennoch Frieden stiften, so dass jedes der Kinder den Anteil bekam, den sie zuvor gesagt hatte. Wie gelang es ihr? Und wie viele ganze Kekse bekam jedes Kind?

Montag, 23. November 2009

Schlimme Zeiten

Schrecklich, schrecklich
wie sich damals
die Menschen verhielten
schlimme Zeiten
warn das
vor 150 Jahren ...
sagte der Vater
als sein Sohn ihn fragte
was er denn halte
von der Geschichte
mit diesem
Kaspar Hauser
dem rätselhaften
Findling
der aus dem Wald kam
den die Leute
erschlugen
weil er
so anders war.

Dann schrieb er weiter
seinen Beschwerdebrief
an Neckermann-Reisen
betreffend den Umstand
dass im Ferienhotel
direkt nebenan
eine Familie
gehaust habe
mit einem
geistig behinderten Kind.

Entnommen aus: "Hand aufs Hirn" von Jörn Pfennig

Sonntag, 22. November 2009

Bonmot

"Das einmalige an einer Freundschaft ist weder die Hand, die sich dir entgegenstreckt, noch das freundliche Lächeln oder die angenehme Gesellschaft. Das einmalige an ihr ist die geistige Inspiration, die man erhält, wenn man merkt, dass jemand an einen glaubt.
Ralf Waldo Emerson

Donnerstag, 19. November 2009

... genau so ist es

Treffen sich ein Wolf, ein Löwe und ein Schwein.
Sagt der Wolf: "Also wenn ich heule, hat der ganze Wald Angst."
Der Löwe hält dagegen: "Wenn ich brülle, erzittert die ganze Savanne."
Meldet sich das Schwein und sagt: "Und wenn ich huste, scheißt sich der ganze Planet in die Hose."

Reimbibel zum Dritten

Gott vertreibt Adam und Eva aus dem Paradies
(1. Buch Mose, Kap. 3)

Naschverbot im Himmelsgarten?
Eher nicht, was wir erwarten.
Eva war es etwas bange,
doch dann sprach zu ihr die Schlange:

"Sterben wirst du dadurch nicht."
Weiter dann die Schlange spricht:
"Diese Frucht ist wirklich heiß,
wissen wirst du, was Gott weiß"

Eva aß, danach ihr Mann.
Adam sah sich die Eva an,
dachte sich : "Mein Gott, wie böse,
Eva hat ja eine Möse".

Adam zierte Sack und Glied.
Eva sah den Unterschied,
machte ihm 'ne Feigenhose.
(Diagnose: Sexneurose.)

Haben sich dann schnell versteckt,
dass der Herr sie nicht entdeckt.
Doch im Fall des Sündenfalles
checkte Jahwe sofort alles:

"Sag mir, Adam, wo du bist!
Warum hast du dich verpisst?"
(Logisch ist die Frage Mist.
weil der Herr allwissend ist.)
Adam drauf: "Ich bin ganz nackt,
darum hat mich Furcht gepackt."

"Wer hat dir das denn gesagt?",
hat der Herr zurückgefragt.
"Hast du von dem Baum genommen,
soll mein Zorn dich überkommen!"

"Herr, verschone meinen Leib,
diese Frucht gab mir das Weib."
Jahwe sprach drum Eva an:
"Warum hast du das getan?"

Eva sprach: "Ich ward betrogen,
denn die Schlange hat gelogen."
Jahwe sprach direktemange
diese Worte zu der Schlange:

"Weil du Böses hast getan,
fresse Erde nun fortan.
Menschen sollst du giftig stechen.
strafen sie für ihr Verbrechen."

Und zu Eva sprach er dann:
"Dein Verlangen sei der Mann.
Schwanger werde und beim Kreißen
soll es dir den Leib zerreißen."

Und zu Adam sprach er schließlich:
"Deine Tat stimmt mich verdrießlich.
Folgtest deines Weibes Rat,
strafen will ich deine Tat.

Ich verfluche deinen Acker,
also gehe hin und racker
dich auf deinen Feldern ab,
bis zu Staub du wirst im Grab."

Jahwe wurde richtig fies:
"Raus aus meinem Paradies!
Fortan sei die Sünde erblich,
fortan seien Menschen sterblich!"

Trotz des Herren strenger Mahnung:
beide hatten keine Ahnung.
Wußten nicht, was bös und gut,
was man lässt, und was man tut.

Wegen einer Schlangenlist
wurde Gott zum Exorzist.
Und so weiß heut' jeder Christ,
dass der Schöpfer reizbar ist.

Theologen von Beruf
rätseln, wer das Böse schuf.
Dafür gibt es viele Taler
vom normalen Steuerzahler.

Kirchensteuer außerdem,
denn zentral ist das Problem.
Einig sind sich sich schon lange:
Satan sprach aus dieser Schlange.

Gott war's nicht, so viel steht fest,
der hasst Böses wie die Pest.
Doch es bleiben arge Zweifel:
wer zum Teufel schuf den Teufel?

Ganz moderne Theologen
haben deshalb schon erwogen,
dass der böse Antichrist
Teil des lieben Gottes ist.

Denn aus Güte schuf Gott kaum
den verfluchten Früchtebaum
und der schwachen Menschen Sucht
nach dem Fleisch der süßen Frucht.

Aus der Reimbibel von W. Klosterhalfen, http://www.reimbibel.de/

"Ich erschaffe das Licht und mache das Dunkel, ich bewirke das Heil und erschaffe das Unheil. Ich bin der Herr, der das alles vollbringt." (Jesaja 45,7)

Die perfide Grund- und Geschäftsidee des sexualfeindlichen Christentums ist die dreiste und absurde Behauptung einer "Erbsünde". Für das "Sündigen" hätten sich Eva und Adam "frei" entschieden. Gott strafe deshalb bis heute Christen, Atheisten, Buddhisten usw. sowie deren Kinder durch Katastrophen, Krankheit, Hunger und Tod. Laut einer Umfrage des Religionssoziologen Klaus-Peter Jörns (1996) glauben jedoch nur noch 13% der befragten evangelischen Pfarrer an die Erbsünde. Demnach hätte sich Jesus ohne Grund opfern lassen.

Menschen haben oft das Gefühl, frei entscheiden zu können. Tatsächlich sind Gefühle, Gedanken und Verhaltensweisen jedoch nie frei von Ursachen. Auch wenn diese uns oft nicht bewusst sind. Der "freie" Wille existiert nur in vielen menschlichen Gehirnen als Illusion. Ethik und anständiges Verhalten gibt es auch ohne diesen Irrtum.

"Der Mensch kann zwar tun, was er will, aber nicht wollen, was er will." Athur Schopenhauer, dt. Philosoph (1788 - 1860)

Denk drüber nach in aller Stille,
wovon er frei, der "freie" Wille.

www.giordano-bruno-stiftung.de/Archiv/realfreih.pdf

"Theologie ist die Kunst, Dinge zu beweisen, die es nicht gibt und die Keiner wirklich braucht." Bernd Vowinkel, dt. Physiker

Das Christentum und die vielen anderen religiösen Unterdrückungs- und Ausbeutungssysteme sind die eigentliche Erbsünde, die Menschen immer noch auf nachfolgende Generationen übertragen. Die Methode, Menschen Schuldgefühle einzureden und ihnen dann vorzumachen, man könne sie vor einer ewigen göttlichen Bestrafung schützen, bringt den Kirchen seit Jahrhunderten viel Geld. Die 27 Bistümer der katholischen Kirche in Deutschland haben im Jahr 2008 Kirchensteuern in Höhe von 5.066.000.000 Euro eingenommen. Kein Wunder, dass die großen Kirchen auf antiklerikale Kritik allergisch reagieren. S. auch: http://www.kirchensteuer.de/

Sonntag, 15. November 2009

Anders als die Anderen

Was hast Du eigentlich Dir vorgestellt?
Hast Du Dein Leben bis zum Schluss gedacht?
Wie hast Du Dir den letzten Kuß gedacht?
Und was ist das Ergebnis? Und wer bezahlt's Begräbnis?

Der Mensch ist wie der Ochs vors Tor gestellt.
Man braucht nur täglich in den Spiegel sehn,
Und kann am Tor den schweren Riegel sehn.
Die Fragen frag der Lehrer, die Antworten sind schwerer.
Erst wir ha'ms Leben völlig umgestellt.
(Das war sehr leicht, wir ha'm uns nämlich dumm gestellt.)
Die Fragen ignoriern wir, die Antworten soufflieren wir,
Und wer was andres will, den exportieren wir!

Wenn man immer was andres will als die andern,
Als Chamäleon lebt, bei den Salamandern,
Ist man nirgends zu Haus, und der Atem geht aus,
Weil ein hinderlicher Held dieser dummen Welt
Erst nach seinem Tode gefällt.

Wenn man immer was andres spricht als die Blöden,
Ja, wie solln denn die Blöden mit Dir reden?
Und die Majorität ist auf jeden Fall blöd,
Weil ein Blöder nichts riskiert, weil er nichts verliert,
Und er wird von allen kopiert.

Unser Dasein ist einfach ein Stammtisch:
Wer Ideen hat, der kommt nicht dran,
Doch wer einmal dort war, der darf zweimal im Jahr
Obendrein patriotisch sein!

Nur wer immer was andres will als Patrioten,
Dem wird jeglicher Ernst des Lebens verboten.
Der wird seitwärts gedreht, kriegt kein Weihnachtspaket,
Nur ein Ehrendoktorat einer kleinen Universität.

Darf ich etwas fragen? - Nein, wer fragt, benützt sein Hirn.
Darf ich etwas sagen? Höchstens "Himmel, Arsch und Zwirn"!
Darf ich etwas denken? - Ja, Gedanken sind ja frei,
Also denk' nur - aber halt den Mund dabei.

Darf ich was erneuern? - Nur die Dinge die's schon gab.
Darf ich was erhoffen? - Von der Wiege bis zum Grab.
Darf ich mir was wünschen - Es ist besser, Du kaufst ein:
Wer sich wünscht, was nicht zu kaufen ist, muß niederträchtig sein.
Das ist nicht mein Gesetz, doch ich denke, ich hätt's
Ganz genauso erlassen wie Die.
Es ist nicht mein Gesetz, aber glaub mir, ich schätz
Unsere herrliche Demokratie.

Nur wer immer was andres will als die Andern,
Muß natürlich sein Bündel schnüren und wandern.
Doch wir sind nicht so roh, wir helfen ihm packen und so,
Und wir tragen sein Gepäck, winken bis zum Eck,
Lassen seine Frau mit ihm weg.

Aber was sind die positiven Programme?
Dass wir allesamt Brüder sind, möglichst stramme.
Immer mehr unter uns, immer mehr Hinz und Kunz,
Das ist leichter für den Staat, für den Magister, und den Polizeiapparat.

Aber irgendwer muss doch regieren?
Ja, das tut er - irgendwer.
Der bleibt hinter der Tür, doch dafür dürfen wir
Ganz allein patriotisch sein.

Und wer immer was andres will als die Sippe,
Den behandeln wir erst einmal wie die Grippe.
Und dann wird er segiert, bis auch er akzeptiert,
Was der Staat zirkuliert und uns allen billig offeriert.

Nimm zum Beispiel das Sexuelle.
Ja, gewiss, das nehm ich gern.
Bis zur letzten Bagatelle
Sind die Fraun hier hochmodern.

Die Busen sind die Größten, die Beine die Längsten,
So gleichen unsere Frauen arabischen Hengsten.
Die zartesten Hände, die winzigsten Näschen,
Die trinkfestesten Nierchen, die sanftesten Ekstäschen.

Die Hirne der Spatzen, die Leiber der Schlangen,
Die Stimmen in ewiger Moll,
Und liegt erst ein Mann in den Klauen, den langen,
Vergisst er genau, was er soll.
Ja, unsre Fraun sind ansschmiegsam, elastisch und bequem,
Daher ein Qualitätsbeweis, -litätsbeweis für unser System
Jawohl, ein Qualitätsbeweis, -litätsbeweis, -litätsbeweis für unser System.

Und nimm mal unsere Kühlschränke!
Ich war noch bei den Fraun.
Ja, wenn ich an die Kühlschränke denke,
Oh, wie ich dann staun.

Die schnellsten Defroster, das kühlste Gefrierfach,
Die leisesten Motoren, das riesigste Bierfach,
Die eckigsten Würfel, die niedrigsten Raten,
Die nacktesten Mädchen auf allen Plakaten.

Die buntesten Knöpfe und alle zum Drücken,
Er schaltet sich selbst ein und aus,
Dabei spielt er 'Fair Lady' und tötet die Mücken
Und weckt das ganze Haus´.
Er ist voll garantiert und geölt und geschmiert,
Und wenn nicht, ist es kein Problem,
Sondern nur ein Qualitätsbeweis, -litätsbeweis, -litätsbeweis für unser System
Jawohl, ein Qualitätsbeweis, -litätsbeweis, -litätsbeweis für unser System.

Nun blick umher in diesem Land und sei einmal ein Mann!
Noch keiner hat ein Land genannt, das so viel bieten kann.
Die Luxusyacht im Garten, Chirurgen, die immer nur grinsen,
Die Autohupe in Quarten, Harmonspritzen mit Zinsen,
Das illustrierte Börsenblatt, die Sliwowitz-Diät,
Die Minimaxi-Antituti-Universität,
Maschinen, die im Jenseits auferstehn,
Und dabei sind sie noch die größten,
Chemiker, die im Swimmingpool zergehen,
Und wie sich der'n Witwen trösten,
Superbombe und Supermarkt,
Superfriedhof für den Superinfarkt,
Pissoirs mit Glockenspiel
Und Rosenkränze mit Sex-Appeal,
Blumen, die man überall verbieten kann,
Mut, den man stundenweise mieten kann,
Todeskämpfe mit Schlussexamen,
Weihnachtsfrauen und Hampeldamen -

Ja, ich will von jetzt ab demokratisch sein,
Egoistisch und dadurch sympathisch sein,
Hörst Du jetzt endlich auf mich? - Ja!
Willst Du das meiste für Dich? - Ja!
Läßt Du die andern für zwanzig Pfennig im Stich? - Ja, ja!

Ich will niemals mehr anders sein als die Leute.
Ich verlang jetzt den größten Teil von der Beute,
Dies mein eigenes Beet, das aus Kaviar besteht,
Leg mir Schmuck auf meinen Bauch,
Pelze willst Du auch? - Aber immer mehr, als ich brauch!

Wir woll'n leben, und leben heißt: Alles fressen.
Wir woll'n leben, und leben heißt: Nicht vergessen.
Bis ich alles besitz, aber mehr als Frau Schmitz,
Ich will Leben wie ein Protz, Leben wie ein Klotz,
Leben meinem Leben zum Trotz.

Aber irgendwann muss ich doch sterben
Nein, da gibt's doch Medizin,
Und wer unsere nimmt, den kuriert sie bestimmt,
Und wenn nein: Patriotisch sein!

Denn wir ha'm ja noch Fernsehn, Sex und Raketen,
Haben Yachten, Reklame und Krieg und Moneten,
Politik und Komfort, und ein Schloss vor'm Tresor,
Und die Negerkrawalle, ja und wolln schließlich alle.
Und wenn alle was wollen, warum soll ich schmollen?
Wem die Welt nicht gefällt, der gehört nicht auf die Welt!

Georg Kreisler
http://www.gkif.de/texte/liedtexte/006txt

Freitag, 13. November 2009

Bonmot

"Behutsam schließt man die Augen der Toten; ebenso behutsam muss man den Lebenden die Augen öffnen."
Jean Cocteau

Dienstag, 10. November 2009

Wie es weiterging

von Bruno Streibel und Heinz Körner
(aus: Die Farben der Wirklichkeit - Ein Märchenbuch - lucy körner verlag, 7012 Fellbach 1983)

In dieser Nacht war das kleine Mädchen sehr unruhig. Immer wieder dachte es an den traurigen Baum und schlief schließlich erst ein, als bereits der Morgen zu dämmern begann.
Natürlich verschlief das Mädchen an diesem Morgen. Als es endlich aufgestanden war, wirkte sein Gesicht blass und stumpf.
"Hast du etwas Schlimmes geträumt?", fragte der Vater.
Das Mädchen schwieg, schüttelte dann den Kopf.
Auch die Mutter war besorgt: "Was ist mit dir?"
Und da brach schließlich doch all der Kummer aus dem Mädchen. Von Tränen überströmt stammelte es: "Der Baum! Er ist so schrecklich traurig. Darüber bin ich so traurig. Ich kann das einfach nicht verstehen."
Der Vater nahm die Kleine behutsam in seine Arme, ließ sie in Ruhe ausweinen und streichelte sie nur liebevoll. Dabei wurde ihr Schluchzen nach und nach leiser und die Traurigkeit verlor sich allmählich. Plötzlich leuchteten die Augen des Mädchens auf, und ohne dass die Eltern etwas begriffen, war es aus dem Haus gerannt.
Wenn ich traurig bin und es vergeht, sobald mich jemand streichelt und in die Arme nimmt, geht es dem Baum vielleicht ähnlich - so dachte das Mädchen. Und als es ein wenig atemlos vor dem Baum stand, wusste es auf einmal, was zu tun war. Scheu blickte die Kleine um sich. Als sie niemanden in der Nähe entdeckte, strich sie zärtlich mit den Händen über die Rinde des Baumes. Leise flüsterte sie dabei: "Ich mag dich, Baum. Ich halte zu dir. Gib nicht auf, mein Baum!"
Nach einer Weile rannte sie wieder los, weil sie ja zur Schule musste. Es machte ihr nichts aus, dass sie zu spät kam, denn sie hatte ein Geheimnis und eine Hoffnung.
Der Baum hatte zuerst gar nicht bemerkt, dass ihn jemand berührte. Er konnte nicht glauben, dass das Streicheln und die Worte ihm galten - und auf einmal war er ganz verblüfft und es wurde sehr still in ihm.
Als das Mädchen wieder fort war, wusste er zuerst nicht, ob er lachen oder weinen sollte. Dann schüttelte er seine Krone leicht im Wind, vielleicht etwas zu heftig, und sagte zu sich, dass er wohl geträumt haben müsse. Oder vielleicht doch nicht? In einem kleinen Winkel seines Baumherzens hoffte er, dass es kein Traum gewesen war.
Auf dem Heimweg von der Schule war das Mädchen nicht allein. Trotzdem ging es dicht an dem Baum vorbei, streichelte ihn im Vorübergehen und sagte leise: "Ich mag dich und ich komm bald wieder." Da begann der Baum zu glauben, dass er nicht träumte, und ein ganz neues, etwas seltsames Gefühl regte sich in einem kleinen Ast.
Die Mutter wunderte sich, dass ihre Tochter auf einmal so gerne einkaufen ging. Auf alle Fragen der Eltern lächelte die Kleine nur und behielt ihr Geheimnis für sich. Immer wieder sprach das Mädchen nun mit dem Baum, umarmte ihn machmal, streichelte ihn oft. Er verhielt sich still, rührte sich nicht. Aber in seinem Innern begann sich etwas immer stärker zu regen. Wer ihn genau beobachtete, konnte sehen, dass seine Rinde ganz langsam eine freundlichere Farbe bekam. Das Mädchen jedenfalls bemerkte es und freute sich sehr.
Der Gärtner und seine Frau, die den Baum ja vor vielen Jahren gepflanzt hatten, lebten regelmäßig und ordentlich, aber auch freudlos und stumpf vor sich hin. Sie wurden älter, zogen sich zurück und waren oft einsam. Den Baum hatten sie so nach und nach vergessen, ebenso wie sie vergessen hatten, was Lachen und Freude ist - und Leben.
Eines Tages bemerkten sie, dass manchmal ein kleines Mädchen mit dem Baum zu reden schien. Zuerst hielten sie es einfach für eine Kinderei, aber mit der Zeit wurden sie doch etwas neugierig. Schließlich nahmen sie sich vor, bei Gelegenheit einfach zu fragen, was das denn soll. Und so geschah es dann auch.
Das Mädchen erschrak, wusste nicht so recht, wie es sich verhalten sollte. Einfach davonlaufen wollte es nicht, aber erzählen, was wirklich war - das traute es sich nicht.
Endlich gab die Kleine sich einen Ruck, dachte: "Warum eigentlich nicht?" und erzählte die Wahrheit. Der Gärtner und seine Frau mussten ein wenig lachen, waren aber auf eine seltsame Weise unsicher, ohne zu wissen, warum. Ganz schnell gingen sie wieder ins Haus und versicherten sich gegenseitig, dass das kleine Mädchen wohl ein wenig verrückt sein müsse.
Aber die Geschichte ließ sie nicht mehr los. Ein paar Tage später waren sie wie zufällig in der Nähe des Baumes, als das Mädchen wiederkam. Dieses Mal fragte es die Gärtnersleute, warum sie denn den Baum so zurechtgestutzt haben. Zuerst waren sie empört, konnten aber nicht leugnen, dass der Baum in den letzten Wochen ein freundlicheres Aussehen bekommen hatte. Sie wurden sehr nachdenklich.
Die Frau des Gärtners fragte schließlich: "Meinst du, dass es falsch war, was wir getan haben?"
"Ich weiß nur", antwortete das Mädchen, "dass der Baum traurig ist. Und ich finde, dass das nicht sein muss. Oder wollt ihr einen traurigen Baum?"
"Nein!" rief der Gärtner. "Natürlich nicht. Doch was bisher gut und recht war, ist ja wohl auch heute noch richtig, auch für diesen Baum." Und die Gärtnersfrau fügte hinzu: "Wir haben es doch nur gut gemeint."
"Ja, das glaube ich", sagte das Mädchen, "ihr habt es sicher gut gemeint und dabei den Baum sehr traurig gemacht. Schaut ihn doch einmal genau an!" Und dann ließ sie die beiden alten Leute allein und ging ruhig davon mit dem sicheren Gefühl, dass nicht nur der Baum Liebe brauchen würde.
Der Gärtner und seine Frau dachten noch sehr lange über dieses seltsame Mädchen und das Gespräch nach. Immer wieder blickten sie verstohlen zu dem Baum, standen oft vor ihm, um ihn genau zu betrachten. Und eines Tages sahen auch sie, dass der Baum zu oft beschnitten worden war. Sie hatten zwar nicht den Mut, ihn auch zu streicheln und mit ihm zu reden. Aber sie beschlossen, ihn wachsen zu lassen, wie er es wollte.
Das Mädchen und die beiden alten Leute sprachen oft miteinander - über dies oder das und manchmal über den Baum. Gemeinsam erlebten sie, wie er ganz behutsam, zuerst ängstlich und zaghaft, dann ein wenig übermütig und schließlich kraftvoll zu wachsen begann. Voller Lebensfreude wuchs er schief nach unten, als wolle er zu erst einmal sein Glieder räkeln und strecken. Dann wuchs er in die Breite, als wolle er die ganze Welt in seine Arme schließen, und in die Höhe, um allen zu zeigen, wie glücklich er sich fühlt. Auch wenn der Gärtner und seine Frau es sich selbst nicht trauten, so sahen sie doch mit stiller Freude, dass das Mädchen den Baum für alles lobte, was sich an ihm entfalten und wachsen wollte.
Voll Freude beobachtete das Mädchen, dass es dem Gärtner und seiner Frau beinahe so ähnlich erging wie dem Baum. Sie wirkten lebendiger und jünger, fanden das Lachen und die Freude wieder und stellten eines Tages fest, dass sie wohl manches im Leben falsch gemacht hatten. Auch wenn das jetzt nicht mehr zu ändern wäre, so wollten sie wenigstens den Rest ihres Lebens anders gestalten. Sie sagten auch, dass sie Gott wohl ein wenig falsch verstanden hätten, denn Gott sei schließlich Leben, Liebe und Freude und kein Gefängnis. So blühten gemeinsam mit dem Baum zwei alte Menschen zu neuem Leben auf.
Es gab keinen Garten weit und breit, in welchem ein solch schief und wild und fröhlich gewachsener Baum stand. Oft wurde er jetzt von Vorübergehenden bewundert, was der Gärtner, seine Frau und das Mädchen mit stillem, vergnügtem Lächeln beobachteten. Am meisten freute sie, dass der Baum all denen Mut zum Leben machte, die ihn wahrnahmen und bewunderten.
Diesen Menschen blickte der Baum noch lange nach - oft bis er sie gar nicht mehr sehen konnte. Und manmal begann er dann, so dass es sogar einige Menschen spüren konnten, tief in seinem Herzen glücklich zu lachen.

(Bruno Streibel, Gemeindepfarrer im Stuttgarter Westen, geboren 1942: "Die Zeit, in der ich gelebt wurde, endete vor acht Jahren, als ich zum ersten Mal bewusst ICH sagte. Alles, was dann kam, war Entfaltung und Leben und Lieben und Glauben lernen. Bei diesem Unterwegssein habe ich außer ein paar Menschen vor allem Träume und Märchen als Gefährten und Wegweiser schätzen gelernt. Und als ich Heinz Körners 'Ein Märchen' las, schrieb ich spontan eine Fortsetzung. Indessen sind noch andere Märchen in mir gewachsen. Märchen wollen weitergegeben und gelebt werden, damit wir uns nicht selbst verfehlen, damit das Unerwartete nicht ausgeschlossen wird und in uns die Melodie von Hoffnung und Freude nicht verstummt.")


Dem letzten Satz von Bruno Streibel stimme ich aus eigener Erfahrung uneingeschränkt zu.

Montag, 9. November 2009

Ein Märchen

von Heinz Körner
(aus: Heinz Körner, Die Farben der Wirklichkeit - Ein Märchenbuch -. lucy körner verlag, 7012 Fellbach 1983)


Es war einmal ein Gärtner. Eines Tages nahm er seine Frau bei der Hand und sagte: "Komm, Frau, wir wollen einen Baum pflanzen." Die Frau antwortete: "Wenn du meinst, mein lieber Mann, dann wollen wir einen Baum pflanzen." Sie gingen in den Garten und pflanzten einen Baum.
Es dauerte nicht lange, da konnte man das erste Grün zart aus der Erde sprießen sehen. Der Baum, der eigentlich noch kein richtiger Baum war, erblickte zum ersten Mal die Sonne. Er fühlte die Wärme ihrer Strahlen auf seinen Blättchen und streckte sich ihnen hoch entgegen. Er begrüßte sie auf seine Weise, ließ sich glücklich bescheinen und fand es wunderschön, auf der Welt zu sein und zu wachsen.
"Schau", sagte der Gärtner zu seiner Frau, "ist er nicht niedlich, unser Baum?" Und seine Frau antwortete: "Ja, lieber Mann, wie du schon sagtest: Ein schöner Baum!"
Der Baum begann größer und höher zu wachsen und reckte sich immer weiter der Sonne entgegen. Er fühlte den Wind und spürte den Regen, genoss die warme feste Erde um seine Wurzeln und war glücklich. Und jedes Mal, wenn der Gärtner und seine Frau nach ihm sahen, ihn mit Wasser tränkten und ihn einen schönen Baum nannten, fühlte er sich wohl. Denn da war jemand, der ihn mochte, ihn hegte, pflegte und beschützte. Er wurde lieb gehabt und war nicht allein auf der Welt. So wuchs er zufrieden vor sich hin und wollte nichts weiter als leben und wachsen, Wind und Regen spüren, Erde und Sonne fühlen, lieb gehabt werden und andere liebhaben.
Eines Tages merkte der Baum, dass es besonders schön war, ein wenig nach links zu wachsen, denn von dort schien die Sonne mehr auf seine Blätter. Also wuchs er jetzt ein wenig nach links.
"Schau", sagte der Gärtner zu seiner Frau, "unser Baum wächst schief. Seit wann dürfen Bäume denn schief wachsen, und dazu noch in unserem Garten? Ausgerechnet unser Baum! Gott hat die Bäume nicht erschaffen, damit sie schief wachsen, nicht wahr, Frau?" Seine Frau gab ihm natürlich recht. "Du bist eine kluge und gottesfürchtige Frau", meinte daraufhin der Gärtner. "Hol also unser Schere, denn wir wollen unseren Baum gerade schneiden."
Der Baum weinte. Die Menschen, die ihn bisher so lieb gepflegt hatten, denen er vertraute, schnitten ihm die Äste ab, die der Sonne am nächsten waren. Er konnte nicht sprechen und deshalb nicht fragen. Er konnte nicht begreifen. Aber sie sagten ja, dass sie ihn lieb hätten und es gut mit ihm meinten. Und sie sagten, dass ein richtiger Baum gerade wachsen müsse. Und Gott es nicht gerne sähe, wenn er schief wachse. Also musste es wohl stimmen. Er wuchs nicht mehr der Sonne entgegen.
"Ist er nicht brav, unser Baum?", fragte der Gärtner seine Frau. "Sicher, lieber Mann, antwortete sie, "du hast wie immer recht. Unser Baum ist ein braver Baum."
Der Baum begann zu verstehen. Wenn er machte, was ihm Spaß und Freude bereitete, dann war er anscheinend ein böser Baum. Er war nur lieb und brav, wenn er tat, was der Gärtner und seine Frau von ihm erwarteten. Also wuchs er jetzt strebsam in die Höhe und gab darauf acht, nicht mehr schief zu wachsen.
"Sieh dir das an", sagte der Gärtner eines Tages zu seiner Frau, "unser Baum wächst unverschämt schnell in die Höhe. Gehört sich das für einen rechten Baum?" Seine Frau antwortete: "Aber nein, lieber Mann, das gehört sich natürlich nicht. Gott will, dass Bäume langsam und in Ruhe wachsen. Und auch unser Nachbar meint, dass Bäume bescheiden sein müssten, ihre wachsen auch schön langsam." Der Gärtner lobte seine Frau und sagte, dass sie etwas von Bäumen verstehe. Und dann schickte er sie die Schere holen, um dem Baum die Äste zu stutzen.
Sehr lange weinte der Baum in dieser Nacht. Warum schnitt man ihm einfach die Äste ab, die dem Gärtner und seiner Frau nicht gefielen? Und wer war dieser Gott, der angeblich gegen alles war, was Spaß machte?
"Schau her, Frau", sagte der Gärtner, "wir können stolz sein auf unseren Baum". Und seine Frau gab ihm wie immer recht.
Der Baum wurde trotzig. Nun gut, wenn nicht in die Höhe, dann eben in die Breite. Sie würden ja schon sehen, wohin sie damit kommen. Schließlich wollte er nur wachsen, Sonne, Wind und Erde fühlen, Freude haben und Freude bereiten. In seinem Innern spürte er ganz genau, dass es richtig war, zu wachsen. Also wuchs er jetzt in die Breite.
"Das ist doch nicht zu fassen". Der Gärtner holte empört die Schere und sagte zu seiner Frau: "Stell dir vor, unser Baum wächst einfach in die Breite. Das könnte ihm so passen. Das scheint ihm ja geradezu Spaß zu machen. So etwas können wir auf keinen Fall dulden!" Und seine Frau pflichtete ihm bei: "Das können wir nicht zulassen. Dann müssen wir ihn eben wieder zurecht stutzen."
Der Baum konnte nicht mehr weinen, er hatte keine Tränen mehr. Er hörte auf zu wachsen. Ihm machte das Leben keine rechte Freude mehr. Immerhin, er schien nun dem Gärtner und seiner Frau zu gefallen. Wenn auch alles keine rechte Freude mehr bereitete, so wurde er wenigstens lieb gehabt. So dachte der Baum.
Viele Jahre später kam ein kleines Mädchen mit seinem Vater am Baum vorbei. Er war inzwischen erwachsen geworden, der Gärtner und seine Frau waren stolz auf ihn. Er war ein rechter und anständiger Baum geworden.
Das kleine Mädchen blieb vor ihm stehen. "Papa findest du nicht auch, dass der Baum hier ein bisschen traurig aussieht?" fragte es.
"Ich weiß nicht", sagte der Vater. "Als ich so klein war wie du, konnte ich auch sehen, ob ein Baum fröhlich oder traurig ist. Aber heute sehe ich das nicht mehr."
"Der Baum sieht wirklich ganz traurig aus." Das kleine Mädchen sah den Baum mitfühlend an. "Den hat bestimmt niemand richtig lieb. Schau mal, wie ordentlich der gewachsen ist. Ich glaube, der wollte mal ganz anders wachsen, durfte aber nicht. Und deshalb ist er jetzt traurig."
"Vielleicht", antwortete der Vater versonnen. "Aber wer kann schon wachsen wie er will?"
"Warum denn nicht?", fragte das Mädchen. "Wenn jemand den Baum wirklich lieb hat, kann er ihn auch wachsen lassen, wie er selber will. Oder nicht? Er tut doch niemandem etwas zuleide."
Erstaunt und schließlich erschrocken blickte der Vater sein Kind an. Dann sagte er: "Weißt du, keiner darf so wachsen wie er will, weil sonst die anderen merken würden, dass auch sie nicht so gewachsen sind, wie sie eigentlich mal wollten."
"Das verstehe ich nicht, Papa!"
"Sicher, Kind, das kannst du noch nicht verstehen. Auch du bist vielleicht nicht immer so gewachsen, wie du gerne wolltest. Auch du durftest nicht."
"Aber warum denn nicht, Papa? Du hast mich doch lieb und Mama hat mich auch lieb, nicht wahr?"
Der Vater sah sie eine Weile nachdenklich an. "Ja", sagte er dann, "sicher haben wir dich lieb."
Sie gingen langsam weiter und das kleine Mädchen dachte noch lange über dieses Gespräch und den traurigen Baum nach. Der Baum hatte den beiden aufmerksam zugehört, und auch er dachte lang nach. Er blickte ihnen noch hinterher, als er sie eigentlich schon lange nicht mehr sehen konnte. Dann begriff der Baum. Und er begann hemmungslos zu weinen.


Dieses Märchen liebe ich ganz besonders. Es ist für mich wie ein Haus mit unzähligen Räumen. Oft, wenn mir etwas unklar ist oder ich mal wieder was nicht so richtig verstehen und einordnen kann, fällt mir diese Geschichte ein. Dann lese ich sie - als hätte ich sie noch nie gelesen - und es öffnet sich meist eine neue Tür, durch die ich dann gehe und neu begreifen lerne.....

Samstag, 7. November 2009

Und nochmal die Reimbibel

Gott erschafft und bedroht Adam und Eva
(1. Buch Mose, Kap. 1 und 2)

Aus einem feuchten Erdenkloß
entstand einst Adam, nackt und bloß,
Die Mutter unsrer Menschensippe
schuf Jahwe dann aus Adams Rippe.
Zum Bilde Gottes schuf er sie,
der Herr ist wirklich ein Genie.

Der Mensch führt Böses oft im Schild,
insofern ist er Ebenbild.
Doch kann er keine Welt erschaffen,
er ähnelt mehr den Menschenaffen.

Im Paradies gab's eine Frucht,
bewacht von Gott mit Eifersucht:
"Wer davon isst, der ist nicht brav,
was ich dann mit dem Tode straf."

Er ruhte aus am siebten Tage,
so steht es in der Schöpfungssage.
Und wer die Weltgeschicht studiert,
merkt schnell, dass Gott sehr gern pausiert.

Viel Elend lässt der Herr geschehen,
das können wir ja täglich sehen.
Doch soll man ihn nicht dafür schelten,
vielleicht baut ER grad neue Welten.

Aus der Reimbibel von W. Klosterhalfen, http://www.reimbibel.de/

Nach dem 1. Buch Mose erschuf Gott den Menschen erst nachdem er Pflanzen und Tiere erschaffen hatte. Nach dem 2. Buch Mose erschuf Gott zuerst den Menschen, dann den Garten Eden.
-----------

Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass diese Reimbibel von einem tiefgläubigen Menschen geschrieben wurde, der lange über die Ungereimtheiten der "Heiligen Schrift" nachdachte und einen Weg gefunden hat, das Ergebnis seiner Gedanken anderen Menschen mitzuteilen. Vieles von meinen Gedanken finde ich in seiner humorvollen Darstellung wieder. Es tut gut zu wissen, dass ich mit meinem Zweifel nicht alleine bin.

Vielleicht kann dieses Buch auch anderen Zweiflern dabei helfen, die Bibel neu zu entdecken.

Donnerstag, 5. November 2009

Die Bibel neu erklärt

Schon seit langem hadere ich mit der Gestalt Gottes, wie sie mir die Kirche durch die Bibel vermittelt.
Vor einigen Wochen stolperte ich im Internet über die "Reimbibel", die ein anderes Bild von Gott zeichnet.
Hier ein Auszug:

Gott erschafft den Himmel und die Erde
(1. Buch Mose, Kap. I)

Am Anfang war Gott ganz allein
und sah wohl nicht viel Sinn im Sein.
Ganz langsam nur verging die Zeit
von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Ganz plötzlich kam ihm die Idee
(soweit ich das als Mensch versteh):
"Ich mache mir jetzt eine Welt,
die mir als Schöpfer gut gefällt."

Wie Gott das machte, weiß man nicht,
wenn man von seiner Schöpfung spricht.
Für Christen ist jedoch ganz klar:
der Herr ist groß und wunderbar.

Gott schuf den Himmel, dann die Erde,
dass sie des Herren Bühne werde.
Es scheint, er schuf sie sehr in Eile.
zu enden seine Langeweile.

Die Erde war erst wüst und leer
und ganz bedeckt vom großen Meer.
Der Herr beliebte, dort zu schweben,
ansonsten regte sich kein Leben.

Da sprach der Herr: "Es werde Licht!",
doch Sonne gab's noch lange nicht.
Die Wolken trennte er vom Wasser,
erschuf dann Land und Meer, so dass er

als nächstes Pflanzen pflanzen konnte,
die dann das "Licht" zunächst besonnte.
Viel Grünes, Bäume, Früchte, Samen
danach dann an die Reihe kamen.

Er setzte Sonne, Mond und Sterne
ans Himmelszelt in weiter Ferne.
Jetzt gab es wirklich Nacht und Tag
und Erde, die am Wasser lag.

Der Herr war sehr erfinderisch,
schuf Würmer, Vögel, Vieh und Fisch,
Die waren alle sehr verschieden,
und Gott der Herr war sehr zufrieden.

Besonders gut dem Herrn gerieten:
Bakterien, Viren, Parasiten.
Auch hat er damals nicht vergessen:
die Starken, die die Schwachen fressen.

Im Unterschied zu den Giraffen
hat niemand jemals Gott erschaffen.
Doch hört man machmal diesen Spott:

Der Mensch erschuf sich seinen Gott,
und wenn die Menschen Pferde wären,
dann würden sie ein Pferd verehren.

Aus der Reinbibel von W. Klosterhalfen, http://www.reimbibel.de/

Da in der Bibel Gott ständig menschliche Motive unterstellt werden (Anthropomorphisierung), habe ich mir die Freiheit genommen zu vermuten, dass Gott vor der Erschaffung der Welt unter ewiger Langeweile litt.

Nicht nur zur Schöpfung existieren in der Bibel widersprüchliche Berichte. Dafür dürften unterschiedliche Auffassungen und Machtinteressen ihrer zumeist unbekannten Autoren verantwortlich gewesen sein. www.bibelzitate.de/wsidb.html

Sowohl die evangelische als auch die katholische Kirche erkennen heute an, dass sich das vielfältige Leben auf der Erde durch Evolution entwickelt hat. Von Kreationisten wird dies bestritten. Ende 2008 waren 55 Prozent der US-Bürger davon überzeugt, dass die gesamte Bibel auf Tatsachen beruht und ihre Lehre aus diesem Grund wörtlich genommen werden muss. Auch der "Heilige Geist" hatte sich anscheinend noch nicht mit Evolutionsbiologie beschäftigt.

Dass es mindestens 100 Milliarden von Galaxien gibt, scheint der "Heilige Geist" den Verfassern der beiden Schöpfungsberichte nicht verraten zu haben. Allein die Galaxie "Milchstraße" besteht aus über 300 Milliarden Sternen; sie ist ca. 100.000 Lichtjahre "breit", http://de.wikipedia.org/wiki/Galaxie

Nur noch 39% der 16-29jährigen Katholiken glauben daran, dass Gott die Welt erschaffen hat. Allensbach-Umfrage 7032 (2002)

Dienstag, 3. November 2009

Erkenntnis?

Ganz egal, wie umsichtig Mensch sein Denken und die dahinterstehenden Absichten zu vermitteln versucht, immer liefert er sich auf Gedeih und Verderb dem Denken und der dahinterstehenden Absichten des Urteilenden aus.

Sonntag, 1. November 2009

Poemchen

Zweifel

Ein Mensch ist fest dazu entschlossen:
Das gute Kräutchen wird begossen,
Das schlechte Unkraut ausgerottet. -
Doch ach, des Lebens Wachstum spottet,
Und oft fällts schwer, sich zu entschließen:
Soll man nun rotten oder gießen?
Eugen Roth

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Schwer verdaulich

Die Petition: Arbeitslosengeld II - Abschaffung der Sanktionen nach § 31 SGB II ist beendet.

6.411 Unterstützer fand diese Petition.
91 davon machten ihre Unterschrift rückgängig.
Endresultat: 6.316

50.000 Unterschriften in 6 Wochen war die Vorgabe. Um dieses Ziel zu erreichen, hätten täglich 1191 Menschen unterschreiben müssen. Zur Unterschrift bereit waren im Durchschnitt nur 151.

Für eine Gesellschaft mit 82 Millionen Bürgern finde ich dies beschämend und kaum zu ertragen.

Ganz anderen Zuspruch findet dagegen die migrantenfeindliche Petition von René Stadtkewitz (Mitglied im Abgeordnetenhaus von Berlin) Am 20. Oktober wurde sie beim Deutschen Bundestag zur Prüfung eingereicht und obwohl noch nicht angenommen, fand diese Petition bisher bereits 7.476 Unterstützer.

Meine Meinung dazu behalte ich lieber für mich.

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Poemchen

Zivilcourage

Ein Mensch erfährt, dass unsre Zeit
Voll sei von Rücksichtslosigkeit.
Doch sieht aus Feigheit, aus bequemer,
Er ringsum lauter Rücksichtnehmer.
Die Freiheit geht wohl doch im Grunde
Aus solcher Rücksicht vor die Hunde.
Eugen Roth

Dienstag, 27. Oktober 2009

Bonmot

Wir verbringen einen großen Teil des Lebens damit, die Achtung anderer zu gewinnen. Aber Selbstachtung zu gewinnen, darauf verwenden wir wenig Zeit.
Josef von Sternberg

Montag, 26. Oktober 2009

Der tägliche Frust

Nein, ich habe Don Quichotte nicht gelesen und doch glaube ich ihn zu kennen. Täglich aufs Neue sehe ich mich mit "Windmühlen" konfrontiert, (oder ist es das Murmeltier?) und verzweifle nahezu an meiner scheinbaren Unfähigkeit mich zu erklären. Immer wenn ich glaube den Bruchteil eines Millimeters weitergekommen zu sein und aufatmen möchte, schreit's mir entgegen:
  • Falsche Aussage!
  • Du musst das so und so sehen!
  • Du siehst das zu negativ!
  • Du musst mehr Rücksicht nehmen!
  • Du hast ja recht mit dem was du sagst, aber bedenke doch ....!
Mir wird ganz schwindelig und in meinem Kopf dreht sich ein Karussell:
  • Warum falsche Aussage?
  • Warum muss ich das anders sehen?
  • Wieso negativ?
  • Rücksicht nehmen auf Was oder Wen?
  • Ich hab also recht, soll es aber bitte sehr für mich behalten?
  • Ich soll also keinen mit meinen Vorstellungen und Ansichten belästigen?
Das Karussell steht still und mein Kopf ist leer.
Dann, aus weiter Ferne: Aaach sooo ..........
  • Du möchtest dich nicht mit den Problemen der Welt auseinandersetzen, weil es ja nicht deine Problem sind, du davon nicht betroffen bist.
  • Du möchtest von mir Vorschläge und fertige Rezepte, die mit einem "Fingerschnipsen" umzusetzen sind.
Da verlangst du allerdings zu viel. Du musst dich schon selbst auf den Weg machen um den Dingen auf den Grund zu kommen. Denn deine Erkenntnisse werden unter Umständen andere sein als meine. In der Unterschiedlichkeit des Erkennens liegt die Faszination der Diskussion.
  • Könnte es sein, dass du Angst hast vor Neuem?
  • Könnte es sein, dass du dich aus Bequemlichkeit auf dem Holzweg befindest?
  • Könnte es sein, dass du glaubst, nach den Vorstellungen anderer zu leben sei erstrebenswert?
  • Könnte es sein, dass du erwartest wenn jeder sich einfach nur anpassen würde, wäre alles Ok?
  • Könnte es sein, dass für dich "Friede, Freude, Eierkuchen" LEBEN ist?
Wenn das zutreffen sollte, dann soll mir der tägliche Frust willkommen sein und ich werde weiterhin gegen "Windmühlen" kämpfen, so lang, bis ich dich zum Mitkämpfer gewonnen habe oder bis an's Ende meiner Tage.
Ehrenwort!

Freitag, 23. Oktober 2009

Immer schön an der Oberfläche bleiben

Egal worüber Menschen sich unterhalten, sei es nun im Freundeskreis oder bei öffentlichen Diskussionen, fast immer wird Tiefgang vermieden. Sobald der Versuch gemacht wird nachzuhaken, um somit tiefer in die jeweilige Problematik einzudringen, nimmt das Gespräch fast automatisch eine andere Richtung. Sich mit den Begebenheiten auseinanderzusetzen, das "Für" und "Wider", das "Wieso" "Weshalb" "Warum", wird oftmals entweder zerredet oder findet erst gar nicht statt. Dafür wird häufig die eigene festgefahrene Meinung zelebriert und als unumstößliche Erkenntnis vertreten. Nicht selten enden derlei Gespräche im nichtssagenden Allerlei, mit dem Anspruch: "Die Anderen sollten doch endlich mit der Veränderung der Zustände beginnen". Sich selbst sieht Mensch jedoch nicht in der Pflicht.

Nach meiner Überzeugung ist die Gesellschaft ein Abbild ihrer Mitglieder. Wir werden in eine Gesellschaft hineingeboren mit dem Auftrag sie zu erhalten und immer wieder neu zu gestalten. Für das was uns sinnvoll erscheint zu kämpfen, was sich überlebt hat zu modifizieren oder durch Neues zu ersetzen.

Ein guter Ansatz dazu wäre meines Erachtens, bei alldem was Mensch so macht, zu fragen:
  • Welche Absicht steckt hinter meinem Tun?
  • Welche Konsequenzen ergeben sich für mich und die Gesellschaft?
  • Will ich die Verantwortung dafür übernehmen?
Immer nur an der Oberfläche zu bleiben um bei allen "Lieb Kind" zu sein, immer darauf bedacht, nur ja "Niemandem auf die Füße zu treten", ist Kraftverschwendung. Führt zu Missverständnissen im Familien-/Freundeskreis und vergrößert die Missstände unserer Gesellschaft.

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Steigende Armut - Kein Ende in Sicht

Warum dies so ist, hat "Persiana-451" in ihren Einträgen "Das Lügengespinst zerreissen" und Herr Herr Sarrazin, die SPD und der Vormarsch des Faschismus klar und verständlich beschrieben. Mir jedenfalls schreibt sie aus der Seele, darum die Leseempfehlung.

Bonmot

Spätestens wenn die Kinder fragen, wo bei der Kuh die Butter rauskommt, hilft nur noch eins - Urlaub auf dem Bauernhof.
Friedrich Küppersbusch

Dienstag, 20. Oktober 2009

Sei wachsam!

Schon bei der Anmoderation in der Sendung "Fakt", zu dem Beitrag: "Schwieriges Pflaster Integration" hörte ich Reinhard May sagen: "Sei wachsam!"

Der Sprecher lies mich wissen, es geht um: Provakante Thesen von Sarrazin in Bezug auf Türken und Araber.
These 1: "Große Teile sind weder integrationswillig noch integrationsfähig."
These 2: "Auch in der dritten Generation haben sehr viele keine Deutschkenntnisse, viele gar keinen Schulabschluss."
These 3: "Die Vietnamesen der zweiten Generation haben durchweg bessere Schulnoten und höhere Abiturientenquoten als die Deutschen."
Die Aussage dieses Beitrags: Die überwiegende Mehrheit der Türken und Araber sind faul und dumm, zwingen ihre Frauen Kopftuch zu tragen und lassen sie obendrein beim Freitagsgebet vor der Moschee im Regen stehen. Sie wollen sich einfach nicht integrieren und ihre Wertvorstellungen nicht aufgeben.
Als Gegensatz dienen Vietnamesen, die mit Fleiß und Leistungsbereitschaft zeigen wie Tradition und Integration sich vereinbaren lassen. Ja, sie überflügeln gar die Deutschen in Puncto schulische Leistung.
Der Sprecher beendet diesen Beitrag mit den Worten: "Thilo Sarrazin hat mit seinen Thesen zur Integration einen hysterischen Aufschrei provoziert. Doch wenn Probleme nicht einmal mehr benannt werden dürfen, können sie erst recht nicht gelöst werden."

Danke an die Macher dieses Beitrags, der mir zeigte wie einfach das Weltbild von Menschen sein kann. Ach ja, einen besonderen Dank für den Hinweis, dass es auch gebildete Türken gibt.


In meinem Umfeld leben viele Menschen muslimischen Glaubens. Mit einigen davon bin ich befreundet. Sie unterscheiden sich nicht von denen in meinem Freundeskreis, welche der christlichen oder einer anderen Religion anhängen. Sie haben ihre Vorlieben und Macken wie jeder andere auch. Ich begegne allen Menschen auf der Stufe: "Leben und Leben lassen!" Der Volksmund sagt aber auch: "Es kann der frömmste nicht in Frieden leben, wenn's seinem Nachbarn nicht gefällt."

Montag, 19. Oktober 2009

Meine Antwort zu den Antworten zu: Frage an meine Leser und Leserinnen

Zuerst einmal herzlichen Dank für die Antworten auf meine Frage, denen ich uneingeschränkt zustimme. Hier nun aber einen Punkt zu machen um sich anderem zu zuwenden, ist der Sache nicht dienlich. Im Gegenteil, jetzt beginnt die Arbeit. Ich bin der festen Überzeugung, es gibt Mittel und Wege, die Resignation und den Unmut den wir alle in uns tragen, in positive Energie umzuwandeln.

Nach einigem Nachdenken, bin ich zu der Ansicht gekommen, dass Petition in diesem Fall die Wahl des falschen Mittels ist. Eine Bitte oder Beschwerde reicht nicht aus um Hartz 4 und alles was damit zusammenhängt wieder abzuschaffen. Nein ich fordere Hartz 4 abzuschaffen, und zwar ohne wenn und aber. Natürlich bringt es rein gar nichts, wenn ich dies allein fordere, es bedarf Verbündeter, die diese Forderung nachdrücklich unterstützen und uneigennützig dafür kämpfen, damit dieser Wunsch Realität wird. Dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen ist jedoch nicht so einfach.

Wer bei Google "Hartz 4 Sanktionen abschaffen" eingibt, bekommt etwa 36 900 Einträge angezeigt. Wenn sich nur 10% dieser Menschen vernetzen würden, ihre Ansichten, Vorschläge, ihr Wissen, ihre Erfahrungen, - sich ganz für die Sache einbringen würden, könnte ein "Kraftfeld" entstehen, welches sich nahezu selbst den Weg bahnen würde. Denn nur gemeinsam können wir das Vorhaben: "Hartz 4 abschaffen" zum Erfolg bringen. Bei Einzelaktionen ist die Gefahr zu groß, dass die eingesetzte Kraft verpufft und am Ende nur Resignation übrigbleibt.

Außerdem bin ich der Meinung, dass den Aktivitäten im Internet Kampagnen auf der Straße folgen müssen, damit unsere Vorstellungen umgesetzt werden.
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Hier möchte ich meine gedanklichen Ausführungen erst einmal beenden. Vielleicht finden sich ja einige Gleichgesinnte zusammen und am Ende wir daraus eine Lawine, die sich friedlich ihren Weg bahnt....

Sonntag, 18. Oktober 2009

Frage an meine Leser und Leserinnen

Warum findet diese Petition: Arbeitslosengeld II - Abschaffung der Sanktionen nach § 31 SGB II so wenige Unterstützer?
Ich verstehe einfach nicht warum nach nun 33 Tagen erst 5786 Menschen ihre Unterschrift gegeben haben.
Hat irgendjemand eine Ahnung, warum dem so ist? Ich kann das nämlich nicht nachvollziehen.

Freitag, 16. Oktober 2009

Arme Leute

Eines Tages nahm ein Mann seinen Sohn mit aufs Land, um ihm zu zeigen, wie arme Leute leben. Vater und Sohn verbrachten einen Tag und eine Nacht auf einer Farm einer sehr armen Familie.
Als sie wieder zurückkehrten fragte der Vater seinen Sohn: "Wie war dieser Ausflug?" "Sehr interessant!" antwortete der Sohn.
"Und hast du gesehen, wie arm Menschen sein können?" "Oh ja Vater, das habe ich gesehen."
"Was hast du also gelernt?" fragte der Vater. Und der Sohn antwortete: "Ich habe gesehen, dass wir einen Hund haben, und die Leute auf der Farm haben vier. Wir haben einen Swimmingpool, der bis zur Mitte unseres Gartens reicht, und sie haben einen See, der gar nicht mehr aufhört. Wir haben prächtige Lampen in unserem Garten und sie haben die Sterne. Unsere Terrasse reicht bis zum Vorgarten und sie haben den ganzen Horizont."
Der Vater war sprachlos.
Und der Sohn fügte noch hinzu: "Danke Vater, dass du mir gezeigt hast, wie arm wie sind."

(Quelle: Dr. Philip E. Humbert, The Innovative Professional's Letter, frei übersetzt und leicht geändert)

Aus Matrix 3000, September 2005

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Für alle, die heute Geburtstag feiern

Geburtstage lieben wir alle sehr,
wenn nur das Altern nicht gleichzeitig wär'.
Als Kind freuten wir uns über jedes Jahr, das schon vergangen.
Konnten wir doch immer mehr Freiheit erlangen.
Und der Teenie, der wir früher mal waren,
konnte den 18. Geburtstag kaum noch erwarten.
Je näher jedoch der 30. kam,
sah'n wir uns kritisch im Spiegel nun an.
Sind etwa die ersten Fältchen zu sehn?
Gott sei Dank, dafür gibt es Crem.
Nun freuen wir uns, wenn man jünger uns schätzt,
und macht man uns älter, so sind wir verletzt.
Mit 40 Jahr'n aber sagt man sich dann:
Der Herbst ist doch schön und die Sonne scheint auch dann.
Tja, so ist es nun mal im Leben,
ewige Jugend ist niemand gegeben!

Ich kam nun für mich zu dem folgenden Schluss:
Alt werden ist auf gar keinen Fall ein Verdruss.
Ich nehm' jeden Tag als Geschenk für mich,
denn wie viel es noch werden, das weiß ich ja nicht.
Eines jedoch will ich für mich stets erstreben:
das Alter - wenn's mir beschieden - bewusst zu erleben.
Den Geist jung zu halten, das ist nun mein Ziel.
keine Anstrengung, dies zu erreichen, soll sein mir zu viel.

Gern will ich aus dem Nähkästchen plaudern,
Erfahrungen weitergeben, ohne zu zaudern.
Was ich gelernt hab, will ich für mich nicht behalten.
Denn was wären die Jungen wohl ohne die Alten?

So bleibt zum Schluss dann wohl doch zu hoffen,
dass die Tür zum Alter uns ganz weit steht offen.
Deshalb sag ich zu jedem Geburtstag PROSIT
und nehme das Alter als das, was es ist.
Margitta Lamers

Also dann,
stoßen wir an.

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Heute mal wieder ein Märchen

Reichtum ist Verstand

Es gab einen Mann, der sehr verständig war und immer das Rechte zu treffen wusste, wenn man sich in der Gemeinde über etwas beriet. Weil er aber sehr arm war, galt es für Torheit, was er sagte, und man hörte nicht auf ihn. Eines Tages dachte er, er müsse erst reich sein, damit seine Stimme in der Gemeinde Geltung haben würde. Er sagte es seiner Frau, und sie war damit zufrieden. So zog er fort und verdingte sich bei einem großen Herrn als treuer Ziegenhirt. Nach 20 Jahren wünschte er, nach Hause zu gehen. Der Herr hatte nichts dagegen, ließ einen Bock schlachten und dessen Fell mit Goldstücken anfüllen. Mitsamt einem Pferd gab er dies dem Hirten und sprach: "Das ist für deine treuen Dienste. Aber noch eines rate ich dir: Bist du heim gekommen, lasse deinen Zorn drei Mal abkühlen, ehe du etwas tust!" Der Mann zog fort, und in seinem Dorf angelangt, dauerte es nicht lange, bis er seine Frau sah. Sie kam mit einem jungen Mann nach Hause. Heftiger Zorn ergriff ihn, aber er dachte an die Worte seines Herrn. Abends sah er durch das Fenster seines Hauses, und seine Frau aß mit dem jungen Mann, und beide waren froh. Sein Zorn stieg, und er wollte gleich - aber der Rat fiel ihm ein. Am Morgen hörte er Leute sprechen: "Heute gibt es also Hochzeit..." Der Mann bezog dies auf seine Frau, und die Galle stieg ihm aufs Höchste: Er wollte sie auf der Stelle erschießen. Wieder fiel ihm der Tat ein, und so wollte er ihr erst das Unrecht vorhalten und sie dann bestrafen.

Er ging hin, seine Frau ließ ihn ein und erkannte ihn nicht. Voller Freude ob des schönen Tagbes lud sie ihn ein, zu bleiben, da sie ihrem Sohn heute die Hochzeit gebe. Nichts fehlte ihr zu ihrem Glück, als dass ihr guter Mann nicht da sei. Von dem habe sie seit 20 Jahren nichts gehört, sagte sie weinend. Der Mann stand wie eine Bildsäule und schämte sich zutiefst. Er hatte übel gedacht und sogar seinen Sohn vergessen. Endlich gab er sich zu erkennen. und sie waren sehr glücklich.

Der Man wurde wegen seines Reichtums bald bekannt und angesehen, und was immer er sagte, fand Glauben. Selbst wenn er log, er habe abends seine Ackereisen ins Stroh gelegt, und siehe da, bis zum Morgen hätten die Mäuse sie gefressen. zweifelte niemand daran, und er ärgerte sich: "Als ich die Wahrheit sagte, glaubte man mir nicht, weil ich arm war. Jetzt zweifelt niemand an mir, weil ich reich bin."

Josef Haltrich (leicht geändert und gekürzt)

Aus Matrix 3000, Januar 2006

Sonntag, 11. Oktober 2009

Rassen und Rassismus

Vor vielen Jahren hörte ich im Fernsehen den Satz: "Es gibt keine verschiedenen menschlichen Rassen, sondern nur die menschliche Rasse, mit unterschiedlichen Merkmalen." Mir leuchtete das sofort ein, da diese Aussage meinem Empfinden und Denken entsprach.

Die Begriffe: "Rassismus", "Rassist", "rassistisch", begegnen mir zur Zeit in einer Häufigkeit, dass Paulinchen sich genötigt sah, hier mal die Quelle zu suchen. Vieles hat Paulinchen von ihrer Reise mitgebracht. Bei Wikipedia z.B. sehr ausführliche Erklärungen zu Rassentheorie und Rassismus.

Wenn ich die gesammelten Informationen so Revue passieren lasse, bestätigt sich meine lang gehegte Vermutung, dass "Rassismus","Rassist", "rassistisch", ein und den selben Ursprung haben: das Vorurteil.
"Die Folgen von Rassismus reichen von Vorurteilen und Diskriminierungen über Rassentrennung, Sklaverei und Pogrome bis zu sogenannten "Ethnischen Säuberungen" und Völkermord." (aus Wikipedia: Rassismus)

Mein Fazit ist somit: Jeder Mensch, der dem Vor-Urteil, (welches wir ja erst einmal alle haben,) nicht das Urteil folgen lässt, läuft Gefahr, dem Rassismus Vorschub zu leisten und damit, den Profiteuren die bewusst Rassismus schüren, in die Hände spielt....


Lieber Leser, liebe Leserin, was ist Deine Meinung dazu?

Freitag, 9. Oktober 2009

Sprachlos und kurz vorm Herzstillstand

Erfahre so eben: Barack Obama hat dem Friedensnobelpreis erhalten.

Kann mir mal einer sagen WOFÜR?

Mittwoch, 7. Oktober 2009

Nachtrag zu: man könnte..., man sollte..., man müsste...

... und dieses Mensch wird je nach Situation oder Gebrauch zu Wir, Du, Ich ....

man könnte... man sollte... man müsste...

Schon lange frage ich mich, was soll dieses "man" aussagen? Wofür steht es? Wer oder was ist damit gemeint? Eine sehr lange Zeit verbrachte ich damit mich unwohl zu fühlen, immer wenn ich dieses "man" sagte oder hörte. Mir fiel einfach kein Ersatz dafür ein, so sehr ich mir dies auch wünschte.

Seit etwa einem Jahr habe ich das Internet für mich entdeckt. Es dauerte auch gar nicht lange und ich lernte die "Welt der Blogger" kennen. Schnell stellte ich fest, hier kann ich meinen Wissensdurst löschen. Viele verschiedene Meinungen, Anregungen, Wissenswertes u.n.m. zu dem was mich beschäftigt, gibt es hier. Ich kann nicht beschreiben, wie glücklich ich darüber war und auch heute noch bin.

Der "Zufall" führte mich zu de tempore - Nach der Zeit. Der Eintrag: "Den eigenen Wahrnehmungen trauen" faszinierte mich auf Anhieb. Während ich las, stolperte ich über das Wort "mensch" mitten im Satz, wo es eigentlich nicht hingehörte. Beim dritten Mal fiel bei mir der Groschen. Hier hatte einer den Ersatz für "man" gefunden. Unbeschreibliche Freude erfüllte mich und seither heißt es bei mir nicht mehr: man könnte... man sollte... man müsste..., sondern: Mensch könnte..., Mensch sollte..., Mensch müsste...

Selbstverständlich gebrauche ich auch heute noch gewohnheitsmäßig das Wörtchen "man". Jedoch immer wenn mir dies bewusst wird, beginne ich den Satz noch einmal, ersetze es mit "Mensch" und bin in diesem Moment rundherum zufrieden.


Lieber Leser, liebe Leserin, fühlst Du Dich bei dem Wort "man" angesprochen? Oder bist Du eher geneigt, Ausschau nach DEM zu halten, der da sollte..., könnte..., müsste...?

Dienstag, 6. Oktober 2009

Leseempfehlung

Dieser Eintrag machte mir richtig Angst. Damit ich nun mit meiner Angst nicht alleine bin und unter dieser Last zusammenbreche, gebe ich jetzt einfach mal eine Leseempfehlung.

Montag, 5. Oktober 2009

Bye Bye Anne Will und Co

Wie jeden Sonntag sah ich mir den Tatort an. Da ich die Sendung "ttt -titel thesen temperamente" nicht verpassen wollte, ließ ich den Fernseher weiter laufen, setzte mich an den Computer, um im Netz zu surfen.
Bei den Wortfetzen aus dem Fernseher: Schriftsteller,... Linkswähler,... Ingo Schulze,... der immer und nur und ausschließlich FDP wählt, Herr Heinz Horrmann..... wurde ich neugierig und richtete meine Aufmerksamkeit auf die Sendung von Anne Will.
Ingo Schulze, kam zu Wort. Was er sagte und seine Körpersprache ergaben für mich eine Einheit und somit stufte ich ihn als authentisch, souverän und vertrauenswürdig ein. Als Herr Horrmann an die Reihe kam, erlosch mein Interesse ob der Phrasen die er da von sich gab und wandte mich wieder dem Computer zu.
Nach einiger Zeit hörte ich Anne Will sagen: "...Herr Schreiner können sie sich vorstellen, dass arbeitslose Menschen die FDP gewählt haben?" Ich fiel fast vom Stuhl und traute meinen Ohren nicht. Die Antwort von Ottmar Schreiner entging mir, da ich diese Frage erst einmal realisieren musste. Anne Will sagte zu Ottmar Schreiner: "Ich darf Ihnen einen vorstellen. 10% der Arbeitslosen haben die FDP gewählt" Es folgte ein Einspieler, den ich so schnell gar nicht begriff, da ich mich jetzt von den 10% erholen musste. Ich entschloss mich, diese Sendung, sobald sie im Internet verfügbar ist anzusehen, um mir ein Gesamtbild zu machen, ließ den weiteren Verlauf des Programms an mir vorbei rauschen und surfte weiter.
...........

Nun ist Montag und ich habe mir die Sendung von Anne Will angesehen. Ungefähr das erste Drittel bietet nur das übliche Blablabla.. und Profilierungsgehabe. In der 19en Minute werden die Herren Ingo Schulze und Heinz Horrmann vorgestellt...
Anne Will wendet sich an Ingo Schulze und beginnt: "Herr Schulze, wenn Sie das jetzt gehört haben, haben Sie dann noch das Gefühl, dass sich tatsächlich dieses Land in Richtung fataler Ellenbogengesellschaft entwickeln wird?
Ingo Schulze: "Ach, das ist ja so 'ne Kaffeesatzleserei, die soll'n erst mal was machen und dann kann man, glaube ich, darüber reden was passiert. Die Schwierigkeit ist dass, - Sie stellen mich jetzt als Wähler der Linkspartei vor, das ist richtig. Das Problem ist aber, dass wenn man so sagen darf, auf die innerste Stimme gehört hatte, hätte man überhaupt keine Partei wählen können. Weil es gibt keine im Bundestag vertretene Partei, die so zu sagen die entscheidenden Dinge mal angeht. Die sagt:'Dieses ganze Gerede mit Wachstum ist völliger Nonsens.' Wir versuchen uns alles über dieses Wachstum zu regeln; durch Wachstum wird sich dann alles lösen.
Anne Will: "Das finden andere aber gar nicht Nonsens, sondern tragen das wie 'ne Monstranz vor sich her."
Ingo Schulze: "In den Parteien?"
Anne Will: "In den Parteien."
Ingo Schulz: "Die sagen, man muss nicht immer auf das Wachstum gucken?"
Anne Will: "Doch, die sagen man muss genau drauf gucken. Genau."
Ingo Schulze: Ja, das ist ja das Schreckliche. Tja also, dass man endlich mal aufhört, alles zu tun, dass es Wachstum gibt. Das ist so zu sagen mit Miegel hat das verglichen mit einem Ablasshandel. Also, 'Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt'. Niemand sagt, dass immer weniger Leute immer mehr produzieren werden. Es werden also immer mehr so zu sagen überflüssig. Und dass es nicht darum geht, Wachstum zu schaffen, sondern wir haben ein Gerechtigkeitsproblem und ein Verteilungproblem. Und da müssen wir die Arbeit ganz anders verteilen. Und das sind so Dinge, da hört man ganz wenig. Und bei der Außenpolitik hätt' ich mir gewünscht, es geht gar nicht darum Aufstocken oder Abziehen. Es geht einfach mal zu sagen in Afghanistan, das läßt sich nicht mit militärischen Mitteln lösen. Und da passiert eigentlich überhaupt keine Aussage. Ich weiß nicht wozu die Bundeswehr da ist, soll'n sie Taliban jagen oder was soll'n sie machen? Da gibt es, hab ich bei keiner Partei wirklich eine Aussage gefunden die sagt: "Mit militärischen Mitteln ist das nicht zu machen."
Anne Will: "Bevor wir jetzt durch alle Politikfelder sausen, mag ich kurz zu dem Thema gehen, auf das sich die FDP z.B. in ihrem Wahlkampf konzentriert hat. Nämlich auf die Frage von Steuersenkungen, bei dem wir eben schonmal waren und das ist genau ihr Vorwurf auch, dass das eine Verengung ist in Ihrem Gesellschaftsbild." Anne Will wendet sich nun an Herrn Heinz Horrmann (der laut Anne Will - immer und nur und ausschließlich die FDP wählt): "Aber Herr Horrmann wie enttäuscht wären Sie ....
Von hier an geht es in gewohnter Manier weiter, unterbrochen von dem oben erwähnten Einspieler in der 42en Minute. Der nach meinem Empfinden nur dazu diente, dem Zuschauer, insbesondere demjenigen der Kritik am Umgang mit den Arbeitslosen übt, zu sagen: Schau her selbst die Hartz 4 Empfänger wählen die FDP.


Was hat es mir nun gebracht, mich mit dieser Sendung so intensiv zu befassen?
Ich habe erkannt, dass es sehr schwer ist, Manipulation zu erkennen. Für den unbedarften Zuschauer nahezu unmöglich. Ich werde diese Sendungen ab sofort konsequent meiden.
Aufgefallen ist mir, dass Ingo Schulze, der die Linkspartei repräsentieren sollte, ohne nennenswerte Unterbrechungen reden durfte. Selbst das Publikum unterließ jeglichen Applaus, der ja sonst an jeder passenden oder unpassenden Stelle kommt. Es fiel mir deshalb auf, weil es im Normalfall üblich ist alles was von "links" kommt, vom "Tisch zu fegen".

Jeder der will, kann sich sein eigenes Bild davon machen. Wenn ich richtig informiert bin, seht dieses Video für 3 Monate im Internet zur Verfügung.

Sonntag, 4. Oktober 2009

Klarstellung

In diesem Eintrag verwendetet ich den Satz: "Jedem das Seine", ohne zu wissen welches Stigma diesen Worten anhaftet. Damit wollte ich lediglich zum Ausdruck bringen: "Jeder nach seiner Fasson"

Ein mir wohlgesinnter Leser hinterließ mir einen Kommentar, in dem er mich darauf aufmerksam machte und mir die Möglichkeit bot mein Wissen zu erweitern. In meinem Antwort-Kommentar habe ich meinen Standpunkt dargelegt, den ich auch heute noch vertrete.

Ein sehr guter Freund bat mich nun eindringlich, mich von diesem Satz, in meinem Interesse, zu distanzieren, was ich hiermit nachdrücklich tue. Ich hoffe sehr, eventuelle Missverständnisse somit ausgeräumt zu haben.